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Die Schweiz und die zweite Welle der Covid-19-Pandemie

Der SMI (Swiss Stock Market) Index ist derzeit etwa so hoch wie vor einem Jahr. Das bedeutet, dass die Schweizer Börsianer im Jahr 2020 nichts verloren haben. Das Gefühl der breiten Bevölkerung ist jedoch ein ganz anderes, die meisten würden sagen, dass 2020 ein wirklich schlechtes Jahr war. Zudem ist der SMI im Jahr 2020 zweimal stark gefallen, Ende März und Ende Oktober. Dies entspricht der ersten und zweiten Welle der Pandemie in der Schweiz. Allerdings war der SMI-Rückgang im März viel größer, während in Wirklichkeit die zweite Corona-19-Welle viel stärker ist. Selten ist die große Diskrepanz zwischen der Realität der reichsten und mächtigsten Gesellschaftsschicht und der Realität der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung so offensichtlich und so leicht zu sehen.

Die erste Welle der Pandemie war im März/April, während die zweite im Oktober begann. Bis Ende des Jahres werden etwa 5% der Schweizer Bevölkerung positiv getestet sein. 90% davon stammen aus der zweiten Welle. Statistisch gesehen sterben etwa 1,5% der positiv getesteten Personen an den Folgen des neuen Coronavirus; die allgemeine Übersterblichkeit liegt fast auf diesem Niveau. Die meisten der Personen, die aufgrund von Covid-19 gestorben sind, waren über 70 Jahre alt. In Bezug auf die Daten der WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist die Schweiz eines der am stärksten betroffenen Länder in der zweiten Welle; in sehr wenigen Ländern sind 5% der Bevölkerung (oder mehr) positiv getestet worden.

Im Frühjahr wurde (in Bezug auf die Schweiz) in einigen Schätzungen vorausgesagt, dass über 50% der Bevölkerung infiziert sein werden und 1% der Bevölkerung sterben wird. Von diesen Zahlen sind wir noch sehr weit entfernt. Wenn es aber in den nächsten Monaten zu einer dritten Welle kommt, dann ist es nicht ausgeschlossen, dass diese Zahlen durchaus realistisch waren. Es handelt sich also um eine sehr ernste Krankheit.

Der weltweite Verlauf der Covid-19-Pandemie hängt von den Regionen ab. Der Verlauf in der Schweiz mit einer ersten Welle im Frühjahr und einer deutlich stärkeren Welle im Herbst ist typisch für europäische Länder (und auch für Kanada). Andererseits gab es z.B. in Südostasien und Indien die meisten Fälle im August/September und bis jetzt gibt es keine zweite Welle. China hat seit Februar mehr oder weniger keine neuen Fälle mehr. Südafrika hatte eine erste Welle im Juni/Juli und jetzt, im Dezember, scheint eine zweite Welle zu beginnen, aber weniger stark als die erste (alle Angaben der WHO).

Trotz der Tatsache, dass in der Schweiz die zweite Welle viel stärker ist als die erste, haben die Behörden weniger starke Maßnahmen ergriffen. Während die Schulen zwischen dem 16. März und dem Sommer geschlossen waren, blieben sie im Herbst geöffnet. Die meisten kleinen Geschäfte waren im Frühjahr geschlossen, aber nicht im Herbst. Die inländische Mobilität blieb im Herbst hoch. Andererseits ist das Tragen von Masken jetzt recht allgemein und wird verlangt. Man kann nicht übersehen, dass die Reaktion der Regierung und des Schweizer Aktienmarktes ziemlich ähnlich waren. Das ist einfach eine objektive Tatsache, die ich weder kommentieren noch beurteilen werde.

Die gesellschaftliche Distanzierung ist nach wie vor groß, ebenso die finanzielle Unterstützung für betroffene (Klein-)Unternehmen. Die neuesten Prognosen sehen einen Rückgang des BIP (Bruttoinlandsprodukt) in 2020 von 3,3% und einen Anstieg von 3,0% in 2021. Die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2019 bei 2,3% und soll 2020 bei 3,2% und 2021 bei 3,3% liegen. Allerdings sind die Prognosen sehr unsicher, was im Wesentlichen daran liegt, dass die Auswirkungen der Impfungen im Jahr 2021 nicht klar sind.

Die Schweiz gehört zu den Ländern in Westeuropa mit den schwächsten Restriktionen (allerdings ohne die Pandemie zu verharmlosen). Dies ist nicht so überraschend, da der Staat traditionell nicht so stark ist und das Gewicht des Privatsektors hoch ist. Andererseits sind die Schweizer lieber gute Schüler in Westeuropa und wollen nicht zu viel Konfrontation riskieren. Dennoch hat die Schweiz dem Druck aus Deutschland und Frankreich, Skigebiete zu schließen, nicht nachgegeben.

Die Impfstofffrage

Bis jetzt hat die Schweiz vier Forderungen nach einer Covid-19-Impfstoff-Zulassung erhalten, die alle aus westlichen Ländern stammen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass russische oder chinesische Impfstoffhersteller um eine Zulassung in der Schweiz bitten werden; sie haben genug mögliche Kunden anderswo. Natürlich könnten theoretisch auch Schweizer Firmen in Zusammenarbeit mit den Entwicklern russische oder chinesische Impfstoffe produzieren, aber auch das ist nicht zu erwarten. Leider, aber nicht überraschend, ist die Impfstofffrage in der Schweiz und in anderen westlichen Ländern stark politisiert. Nur westlich entwickelte und produzierte Impfstoffe werden von den Behörden und von den Medien befürwortet (natürlich würden auch in Taiwan hergestellte US-Impfstoffe akzeptiert werden). Impfstoffe, die in Russland oder China entwickelt und produziert werden, werden lächerlich gemacht. Zudem wird verschwiegen, dass andere Länder wie Indien, Iran, Südkorea, Vietnam oder Kuba eigene Impfstoffe entwickeln. Diese Politisierung der Impfstofffrage ist der Grund, warum ich mich entschieden habe, mich nicht impfen zu lassen (auch wenn ich 69 Jahre alt bin).

Es ist offensichtlich, dass die führende Klasse in der Schweiz gerne die gesamte Bevölkerung impfen würde. Das wäre der einfachste und billigste Weg, um Covid-19 unter Kontrolle zu bringen. Ihre Propagandamaschine hat bereits begonnen. Natürlich profitieren sie davon, dass die Impfung für einen großen Teil der Bevölkerung eine vernünftige Entscheidung ist.

Dennoch ist die Skepsis gegenüber Covid-19-Impfstoffen in der Schweiz hoch, eine der höchsten weltweit, wenn man internationalen Umfragen trauen kann. Diese Skepsis hat einige gesunde Gründe. Das Vertrauen, dass die großen Firmen zum Wohle der Bevölkerung handeln, ist deutlich gesunken. Es herrscht ein ziemliches Misstrauen vor. Außerdem ist das Vertrauen in Wissenschaft und Technik schwächer geworden. Viele haben das Vertrauen verloren, dass jedes neue Problem nur durch mehr Technik gelöst werden kann; sie meinen vielmehr, dass die Gesellschaft als Ganzes vernünftiger werden muss.

Dieser Skeptizismus wird von der herrschenden Klasse heftig angegriffen. Letztere klassifizieren die skeptischen Menschen als antiwissenschaftliche, falsch informierte, Verschwörungstheoretiker. Ich will nicht leugnen, dass es solche Menschen gibt. Aber diese Angriffe der herrschenden Klasse sind völlig heuchlerisch. In der Tat gibt es Erben-Attacken gegen russische oder chinesische Impfstoffe, die völlig antiwissenschaftlich und eine völlige Fehlinformation sind.

Da ich jahrzehntelang als Mathematiker gearbeitet habe, kenne ich das wissenschaftliche Milieu in der Schweiz recht gut. Während ich denke, dass mein wissenschaftlicher Geist immer hoch war und immer noch ist, habe ich den Respekt vor der westlichen wissenschaftlichen Welt sehr verloren. Den meisten westlichen Wissenschaftlern geht es nicht so sehr um die Suche nach der Wahrheit, sie sind viel mehr an ihrem Arbeitsplatz und ihrer Karriere interessiert. Und der Grad des unabhängigen Denkens ist eher gering. Wenn also diese Art von Menschen die Bevölkerung angreift, nicht genug zu denken, dann bedeutet das eher, dass das Denken der Bevölkerung nicht unterwürfig genug ist.

Ich kann das wissenschaftliche Milieu in China oder Russland oder Iran nicht selbst beurteilen. Aber insgesamt sind diese Gesellschaften gesünder als die Schweizer Gesellschaft, und deshalb bin ich zuversichtlich, dass ihr wissenschaftliches Niveau und ihr wissenschaftlicher Geist besser sind als in der Schweiz.

Keine rosige Zukunft in Sicht

Die Krise um die Covid-19-Pandemie ist eine besondere. Sie ist nicht, wie eine übliche Krise, eine Eskalation bestehender Konflikte. Es ist ein Problem, das von außen kam. Es ist also eine Art Prüfung für jede Gesellschaft.

Schwedens König sagte gestern, das Land habe beim Schutz der Menschen vor Covid-19 versagt. Dies wurde von den europäischen Medien als Kritik an Schwedens besonderer Strategie bei dieser Pandemie interpretiert. Ich denke aber, dass diese Interpretation nicht gerechtfertigt ist. Viel wahrscheinlicher ist, dass Schwedens König keine politische Aussage gemacht hat, sondern die zu vielen Todesfälle durch die Pandemie in Schweden bedauert hat. Mit anderen Worten: Er zeigte Demut. Die Schweiz hat keinen König. Allerdings hat die Zahl der Todesfälle eine vergleichbare Größe wie in Schweden. Aber niemand in der Schweiz hat den Mut und die Demut zu sagen, dass die Schweiz beim Schutz des Volkes versagt hat.

Im Frühjahr war die Einigkeit in der Schweiz recht groß und das Land hat diese erste Welle mehr oder weniger ohne wirkliche Probleme überstanden. Aber jetzt ist die Situation ganz anders. Die üblichen innenpolitischen Konflikte kamen an die Oberfläche. Die Regierung ist viel Führender als im Frühjahr. Folglich sind die Menschen verunsicherter.

In meinen Augen ist das Hauptproblem ein ideologisches. Die Schweiz hat kein Projekt, kein Ziel. Es gibt kein kollektives Engagement. Es gibt keine klare Vorstellung, wie die Schweiz eine gesündere Gesellschaft aufbauen könnte. Fast alle Bemühungen haben das Ziel, den Status der Schweiz als reiches und stabiles Land zu verteidigen, das zum Westen gehört. Das hat sich in dieser Krise noch verstärkt. Die Medien konzentrieren sich auf die Schweiz und die angrenzenden Länder. Die Situation in Bezug auf die Pandemie in Ländern in Asien, Afrika oder Lateinamerika wird einfach ignoriert. Oder sie wird für Angriffe gegen diese Länder genutzt. Eine Ausnahme ist Südkorea, das von den Schweizer Medien als „bessere“ Alternative zum „diktatorischen“ China hervorgehoben wurde.

Es ist wahrscheinlich, dass die Schweiz im Laufe des Jahres 2021 das neue Coronavirus in den Griff bekommen wird, vor allem dank Impfungen. Dann werden die Urlaubsreisen ins Ausland wieder in vollem Umfang beginnen. Aber ich würde wetten, dass die Begeisterung etwas nachgelassen hat. Auch wenn diese Pandemie überwunden ist, sehe ich keine rosige Zukunft für die Schweiz.

PS: Auch wenn es nicht zum Thema gehört, kann ich es mir nicht verkneifen, die jüngste Entscheidung der US-Behörden, die Schweiz und Vietnam als „Währungsmanipulatoren“ zu bezeichnen, zu kommentieren. Sicherlich, die US-Behörden haben leistungsfähige Computer für ihre ausgeklügelten Berechnungen. Für die Normalsterblichen ist die Frage jedoch ganz einfach. „Währungsmanipulation“ würde bedeuten, dass ein Land die Währung künstlich abwertet, um die Exporte zu steigern. In diesem Zusammenhang stellt man fest, dass vor einem Jahr ein US-Dollar für 0,98 Schweizer Franken gewechselt wurde. Jetzt ist ein US-Dollar 0,88 Schweizer Franken wert, also eine Abwertung von etwa 10%. Wenn also einer von USA/Schweiz ein „Währungsmanipulator“ ist, dann sind es eindeutig die USA.