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Big Tech ist nicht so sauber wie Sie denken

Big Tech ist nicht so sauber wie Sie denken

Sie gehören zu den größten – und großzügigsten – Unterstützern der Energiewende.

Sie werben für sich als umweltbewusste Unternehmen, die ihre Rohstoffe von ethischen Standorten beziehen und das Angebot von Produkten, die die Verbraucher nicht nutzen, reduzieren, um verpackungsbedingte Emissionen zu verringern.

Und sie sind die treibende Kraft hinter einer globalen Elektronikmüll-Krise. Treffen Sie Big Tech. Letztes Jahr sagte Apple, dass sein iPhone 12 wie auch die neuesten Apple Watches ohne Ladeadapter verkauft wird um die Menge an Elektronikmüll zu reduzieren, die seine Produkte erzeugen.

Außerdem gibt es über 2 Milliarden Apple-Netzadapter auf der Welt, und da sind die Milliarden Adapter von Drittanbietern noch gar nicht mitgerechnet. Wir entfernen diese Teile aus der iPhone-Verpackung, was die Kohlenstoffemissionen reduziert und den Abbau und die Verwendung von wertvollen Materialien vermeidet“, zitiert Wired Apples VP für Umwelt, Politik und soziale Initiativen, Lisa Jackson.

Dennoch sind es nicht die Ladegeräte, die das große Problem sind, so die Experten für Elektroschrott. Im vergangenen Jahr wurde weltweit eine Rekordmenge an Elektroschrott erzeugt, die 53,6 Millionen Tonnen überstieg, so E-Waste Monitor in seinem neuesten Bericht. Diese Menge stellte einen Anstieg von 21 Prozent innerhalb von fünf Jahren dar. Und der Elektroschrott wird weiter wachsen, so die Warnung des Berichts. Bis 2030 könnte die Menge 74 Millionen Tonnen erreichen.

Die Recyclingquoten sind indes mager. Im vergangenen Jahr lag sie bei weniger als 20 Prozent des gesamten weltweit anfallenden Elektroschrotts. Wenn sich nicht sehr schnell und radikal etwas ändert, wird sich an dieser Quote wohl auch in Zukunft nicht viel ändern.

Wir haben nicht die Technologie, um einen LKW voller alter iPhones zu nehmen, sie zu zerlegen, zu zermahlen und neue iPhones daraus zu machen. Es ist schlichtweg physikalisch unmöglich“, sagte Kyle Wiens, der Chef des Reparatur-Hubs iFixit, kürzlich zu Dain Evans von CNBC

Smartphones und Tablets sind eine Herausforderung“, so John Shegerian, CEO von Electronic Recyclers International, der auch mit CNBCs Wiens sprach.

Viele von ihnen werden nicht mehr verscharaubt, sondern mit Leim verklebt. Leim macht es sehr schwer, die Dinge auseinander zunehmen und die Materialien wieder zu gewinnen, weil er den Wert des Rohstoffprodukts selbst herabsetzt.

Die Menschen sind zunehmend auf Smartphones und andere Unterhaltungselektronik angewiesen, und diese halten nicht besonders lange: Die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Smartphones lag 2018 bei etwa 24 Monaten. Das wurde zum Problem für die Telefonhersteller: Eine durchschnittliche Lebensdauer von 24 Monaten war zwei Monate länger, als die Menschen ihre Telefone im Jahr 2016 zu behalten pflegten, und das schlug auf die Gewinne durch. Wie Wiens von CNBC in seinem Artikel über Elektroschrott feststellte, wird die Lebensdauer von Smartphones wahrscheinlich wieder sinken, wenn die Verbraucher auf 5G-Geräte umsteigen.

Ein Smartphone enthält eine Vielzahl von Edelmetallen und seltenen Erden – ganz zu schweigen von dem aus Erdöl gewonnenen Kunststoff, in dem diese Metalle und seltenen Erden eingebettet sind – und diese haben einen erheblichen Kohlenstoff-Fußabdruck. Die schmutzige Spur eines durchschnittlichen Smartphones, die als unsichtbarer Abfall bezeichnet wird, beträgt etwa 86 Kilo, die eines Laptops 1.200 Kilo, so die schwedische Abfallwirtschafts- und Recyclingorganisation Avfall Sverige.

Weil der Abfall bei der Herstellung nicht sichtbar ist, haben die Verbraucher Schwierigkeiten, die volle Umweltbelastung des Produkts wirklich zu verstehen“, so die Organisation in ihrem Bericht. „Es muss für die Verbraucher einfacher sein, Verantwortung für ihre Einkäufe zu übernehmen. Der unsichtbare Abfall muss also sichtbar gemacht werden und das Wissen darüber muss zunehmen, damit wir die Abfallmengen mit der Zeit reduzieren können.

Aber nicht alles scheint düster zu sein. Eine Studie, die kürzlich im Journal of Industrial Ecology veröffentlicht und von Yale Environment 360 zitiert wurde, berichtet, dass die Menge des in den Vereinigten Staaten anfallenden Elektroschrotts seit 2015 um 10 Prozent gesunken sei. Das lag aber nicht an verantwortungsbewussteren Herstellern oder Verbrauchern, sondern am Ersatz von sperrigen Gegenständen wie Röhrenmonitoren durch Laptops und an der Multifunktionalität der meisten Geräte.

Die Lösung scheint einfach: Big Tech könnte einfach anfangen, langlebigere Geräte herzustellen, anstatt alle 12 Monate ein neues Modell auf den Markt zu bringen. Aber das wäre ein Problem für die Gewinne von Big Tech, die offenbar stark von der regelmäßigen und häufigen Veröffentlichung neuer Produkte abhängen, wie die oben erwähnten Trends der letzten fünf Jahre nahelegen.

Smartphones weg zuwerfen, ohne sie zu recyceln, bedeutete laut E-Waste Monitor, Materialien im Wert von 57 Milliarden Dollar weg zuwerfen, und der Bericht merkte an, dass dies eine konservative Schätzung war. Mit anderen Worten: Durch das Recycling von Smartphones und anderer Unterhaltungselektronik könnten zusätzlich zu den Einsparungen bei den herstellungsbedingten Emissionen letztlich zweistellige Milliardenbeträge eingespart werden.

Noch besser: Abfall könnte eine Ressource sein, so die Autorin der Studie über die Schrumpfung von Elektroschrott, Shahana Althaf, eine promovierte Mitarbeiterin am Yale Center for Industrial Ecology. Durch Recycling können die meisten der wertvollen und seltenen Metalle, die in Smartphones und anderen Geräten verwendet werden, zurückgewonnen werden, wodurch die Abhängigkeit von importierten Rohstoffen verringert wird, was von einigen als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit angesehen wird, die bald in Angriff genommen werden muss.