Sicherheit, Effektivität, Transparenz: Was wir über den Impfstoff von Pfizer noch nicht wissen

Am Montag gaben der US-amerikanische Arzneimittelhersteller Pfizer und sein deutscher Partner BioNTech ihre “Zwischenanalyse” einer 43.538 Personen umfassenden Studie über ihr Impfschema mit zwei Impfstoffdosen bekannt, die sich als 90 Prozent wirksam bei der Prävention von Covid-19 erwiesen hatte.

In der groß angelegten Studie wurden nur 94 Fälle der Krankheit beobachtet, und es gibt erste Anzeichen dafür, dass sich der Kampf gegen das Coronavirus endlich zu Gunsten der Menschheit verschieben könnte. Der russische Impfstoff Sputnik V hatte bereits ähnliche Wirksamkeitsraten aufzuweisen.

Doch bei all den Marktschüben, der atemlosen Berichterstattung und den politischen Botschaften über den Impfstoff bleiben eine Reihe ernsthafter Vorbehalte, Bedenken, Fragen und ein deutlicher Mangel an Details bestehen.

Wir wissen noch nicht, ob der Impfstoff von Pfizer eine Infektion vollständig verhindert oder ob asymptomatische Träger in den kommenden Jahren noch Anlass zur Sorge geben könnten. Die Studie war auch vom Umfang her eher begrenzt und testete nur, ob es unter den Impfstoffempfängern weniger Fälle von symptomatischem Covid-19 gab als unter denjenigen, die das Placebo erhielten.

Mit anderen Worten, ohne diese Informationen haben wir keine Möglichkeit zu wissen, ob dieser Impfstoff die Pandemie tatsächlich stoppen oder nicht stoppen oder nur ihre Erscheinungsform verändern würde.

Die Studie unterschied auch nicht zwischen dem Schweregrad der Covid-19-Fälle unter den Teilnehmern und lieferte auch keine demografischen Informationen über die Erkrankten, so dass wir immer noch nicht wissen, ob Impfstoffempfänger kritisch erkranken oder nur eine mildere Form der Krankheit entwickeln können.

Es gab weder Informationen über die Häufigkeit oder Schwere der Nebenwirkungen, noch wurden wichtige Details über das Sicherheitsprofil des Impfstoffs bekannt gegeben.

Darüber hinaus gab es keine Diskriminierung der Daten zwischen verschiedenen Untergruppen, so dass unklar bleibt, ob Risikogruppen in der Gesellschaft notwendigerweise von dem Impfstoff profitieren werden oder ob zum Schutz älterer oder immungeschwächter Menschen möglicherweise noch gezielte Sperren und Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Die Pressemitteilung von Pfizer vom Montag enthielt keine Daten darüber, wie viele Teilnehmer durch den Impfstoff im Vergleich zu denen, die das Placebo erhielten, erkrankten.

Es wird erwartet, dass diese Daten “in den kommenden Wochen” veröffentlicht werden, so Pfizer-CEO Albert Bourla, da diese und weitere Fragen umfassend beantwortet werden müssen, um die weit verbreitete Impfstoff-Zögerlichkeit in der Weltbevölkerung zu überwinden.

Tatsächlich befürchten laut einer Umfrage rund 62 Prozent der Amerikaner am Beispiel der USA, dass die Food and Drug Administration die Zulassung von Impfstoffen beschleunigen wird, und daher geben nur 21 Prozent der Befragten an, dass sie “definitiv planen, sich impfen zu lassen”, und 49 Prozent werden wahrscheinlich oder definitiv nicht geimpft.

Die Befürchtungen sind weit verbreitet, dass sowohl die Sicherheit als auch die Wirksamkeit nicht ausreichend berücksichtigt werden, wenn man bedenkt, was politisch und wirtschaftlich auf dem Spiel steht, wenn es um eine potenzielle Covid-19-freie Zukunft geht.

Quelle: Safety, effectiveness, transparency: What we still don’t know about the Pfizer vaccine

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