Mauerfall nach Moskaus Drehbuch?

Günter Schabowski liest bei der Pressekonferenz am 9. November 1989 die neue DDR-Reiseverordnung vor. | Bild: Screenshot Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

Der Buchautor Michael Wolski vertritt eine unorthodoxe These: Der Mauerfall war kein Zufall, sondern eine verdeckte Operation der Sowjetunion. Die anschließende deutsche Vereinigung sei von UdSSR und USA bereits jahrelang im Vorfeld vorbereitet und ausgehandelt worden. Im Interview mit Multipolar erläutert der 68-jährige Russlandkenner, dass Michail Gorbatschow die DDR schon seit Jahren loswerden wollte, für die Grenzöffnung aber die DDR-Führung überrumpeln und vor vollendete Tatsachen stellen musste. Ostdeutsche KGB-Mitarbeiter hätten die Maueröffnung vor Ort organisiert. Hatte einer von ihnen am Abend des 9. November 1989 die legendäre Pressekonferenz geleitet?

Multipolar: Herr Wolski, Sie haben im vergangenen Jahr zum 30. Jahrestag der Maueröffnung ein Buch veröffentlicht, das sich von allen anderen Beiträgen zum Thema stark unterscheidet. Sie interpretieren den Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin nicht als chaotisch-zufälliges Ereignis, wie es in der vorherrschenden Geschichtsschreibung heißt, sondern als vorbereiteten Coup. Wie kommen Sie darauf?

Wolski: Das erste Mal bin ich bereits in der Vor-Wendezeit ins Nachdenken gekommen. Ich arbeitete seit 1986 im Internationalen Handelszentrum (IHZ) der DDR in Ost-Berlin in einem West-Firmenbüro – bin also aktiver Zeitzeuge des Endes der DDR und später in Moskau..

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