Libanon: In dem Moment, als ich zu den Verlorenen gehörte

Aus dem Libanon, diesem geschundenen Stück Erde, das so viel Krieg und Elend, Massaker und Verbrechen an der Menschlichkeit gesehen hat und in dem immer wieder “das Leben als Revolte” im Sinne von Camus begriffen werden muss (oder kann), kommen derzeit die vielleicht schönsten, klügsten, traurigsten, wütendsten und mutigsten Texte dieser Tage.

Der Hafen von Beirut nach der Explosion, August 2020.
ild: Der Hafen von Beirut nach der Explosion, August 2020. / Mahdi Shojaeian – Mehr News Agency (CC BY 4.0)

Lange Zeit habe ich mich gewehrt, dieses Wort „Libanon“ zu schreiben. Zweifellos eine Ablehnung dessen, was es an kulturellem Unsinn und nationalen Erfindungen mit sich bringt. Ich ersetzte es oft durch „dieses Stück Land“ oder „dieses Land“ oder „Land der Katastrophe“, unbestimmte Ausdrücke, die versuchten, meine mangelnde Zugehörigkeit zu dieser grausamen und mittelmässigen Gesellschaft, von und über die ich schrieb, zu erfassen.

Das Schreiben war also eine Art symbolischer Mord: Ich schrieb über ein Land ohne Namen und Geschichte, ein Stück Land, das von der Banalität des…..

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