„Es werden wahllos Wohngebiete angegriffen“ – im Gespräch mit Hovhannes Gevorkian über den Krieg in Bergkarabach

https://i0.wp.com/justicenow.de/wp-content/uploads/2020/10/Bergkarabach_stretch_L.jpg?resize=290%2C125Seit 27. September wütet in der umstrittenen Region Bergkarabach der blutigste Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan seit Anfang der 1990er Jahre. Bewohnt fast ausschließlich von christlichen Armenier*innen, gehört die autonome Region nach völkerrechtlicher Lehrmeinung zu Aserbaidschan. Wir unterhielten uns mit Hovhannes Gevorkian über Ausmaß, Hintergründe und die Rolle wichtiger anderer Akteure des Krieges.

Hovhannes ist Jurist und ver.di-Funktionär. Er ist armenischer Abstammung und lebt in Berlin.


JusticeNow!: Am 10. Oktober einigten sich Aserbaidschan und Armenien auf eine Waffenruhe, was die jüngsten Gefechte im umstrittenen Bergkarabach erst einmal beenden sollte. Doch auf Anfang, wie kam es überhaupt zum Krieg? Was ist der grundlegende Konflikt?

Hovhannes Gevorkian: Die Region ist seit Jahrzehnten zwischen beiden Ländern umstritten, wobei die Wurzeln für diesen Disput bis in die Anfangszeit der Sowjetunion und sogar davor zurückreichen. Die derzeitige Situation ist von dem Krieg Anfang der 1990er geprägt, als Armenien das Gebiet gewinnen und dazu noch sieben weitere Provinzen kontrollieren konnte. Über 50.000 Menschen ließen bei diesem Krieg ihr Leben, mehr als eine Million Menschen wurde zu Geflüchteten. Seitdem ist vor allem Armenien am Status quo interessiert, während Aserbaidschan sein Militär massiv aufrüstet und immer wieder von der Rückeroberung Karabachs spricht.

Hinsichtlich dieses Krieges gab es erste Auseinandersetzungen schon Mitte Juli, allerdings nicht in Karabach (die Region selbst……

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