Die Mephisto-Prinzipien in der kapitalistischen Wirtschaft

„Der Kapitalismus gründet auf einem faustischen Handel.
Die Teufel der Habgier und des Wuchers wurden von der Leine gelassen …“
(R. u. E. Skidelsky)

FASSADENKRATZER

Wenn Mephistopheles, die teuflisch-verführerische Gestalt in Goethes Faust-Drama, die Prinzipien und Gesetze des Wirtschaftslebens bestimmen könnte, wie würden diese dann aussehen? Unter dieser Fragestellung untersucht der Volkswirtschaftler Prof. Christian Kreiß unser heutiges Wirtschaftssystem.1  Und er kommt zu erstaunlichen Ergebnissen. Es lassen sich mit diesem Ansatz Phänomene im Wirtschaftsleben erst in ihrer tieferen Bedeutung erfassen, die vorher nur schwer erklärbar schienen.

Die Ziele Mephistos

Die Ziele Mephistos sind bekannt. Er offenbart selbst von sich: „Ich bin der Geist der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist wert, dass es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s, dass nichts entstünde. / So ist denn alles was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz das Böse nennt, / Mein eigentliches Element“ (Faust Teil 1, Studierzimmer). Und später sagt er: „Ihr wisst, wie wir in tief verruchten Stunden / Vernichtung sannen menschlichem Geschlecht“ (Teil 2, Grablegung).

Das Hauptziel Mephistos ist also, schreibt Christian Kreiß, die Menschen nicht zu fördern, sondern ihnen wo es nur geht zu schaden – bis zur Vernichtung. Er will die Menschen möglichst davon abhalten, die hohen menschheitlichen Ideale des Wahren, Schönen und Guten zu verfolgen und stattdessen das Gegenteil anzustreben; ebenso statt der Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit die teuflischen Gegensätze Unfreiheit, Ungleichheit und den Kampf jeder gegen jeden zu realisieren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Anstachelung des Egoismus. Aus ihm folgen…..

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