Leserzuschrift zu Nawalny

Als Boris Nemzow in unmittelbarer Nähe des Kreml ermordet wurde, tauchten Erklärungsversuche für diese Tat auf. Russische Politanalytiker sprachen von einem “Sakralen Opfer”. Boris Nemzow war ein bekannter Kritiker des Kreml. Dem Kreml wurde vom Westen unmittelbar die Verantwortung für die Ermordung zugeschrieben. Was koennte näher liegen, als die Täterschaft dort festzumachen? Inzwischen geht es um Nawalny, einen Anführer der Opposition in Russland, der stets vom Westen unterstützt wird. Kann es sich hier ebenfalls um ein  Sakrales Opfer handeln? Manches deutet darauf hin.

Ein sakrales Opfer bedeutet, dass der Mensch – für eine höhere Sache- von den eigenen Leuten ums Leben gebracht wird. Vorbedingung ist, dass dieser Mensch eindeutige Kundgebungen, Aktivitäten und Kritiken am Kreml – Putin – über einen längeren Zeitraum hinweg geäussert hat. Damit kann die Verantwortung für die Täterschaft ganz eindeutig dem Kreml zugeschrieben werden, denn das Opfer war ja ein beständiger aktiver Kritiker desselben. Bei seiner Anhängerschaft werden durch die Tat heftige Emotionen erzeugt. So soll nach der Ermordung von Nemzow die Teilnehmerzahl einer Demonstration gegen Putin sofort stark gestiegen sein. Ein Märtyrertod erzeugt immer eine sehr emotionalisierte Anhängerschaft, wie man weiss.

FDP, die Grünen und die CDU haben auf die vorgebliche “Vergiftung” Nawalnys sofort mit einer stattsam bekannten Massnahme reagiert: Man fordert Sanktionen gegen Russland. Ohne jegliche Klärung des Falles, ohne Abwarten der medizinich-chemischen Analysen, wird zugeschlagen. Das Muster ist aus früheren “Vergiftungsfällen” bekannt. Und sehr durchsichtig. Emotionen sind ein mächtiger Hebel, für den Kriegsfall schafft die Propaganda die dazu notwendige Voraussetzung. Wir sollten uns nicht verleiten lassen vom Geheul der Wölfe, das nichts als eigentliche Kriegsvorbereitung ist.

Dr. Barbara H./Sozialpsychologin

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