Wer löste den Fehlalarm aus?

Der am Ostersamstag wegen seinen Kommentaren zum «Corona-Hoax» verhaftete Wettinger Arzt Thomas Binder ist wieder frei. Die Verdachtsmomente lösten sich in Luft auf. Jetzt ist grosses Schweigen angesagt.

Mit dieser «Anordnung» wurde Binder in die Psychiatrie überstellt.

Weltwoche (2), 22.04.2020: Thomas Binder

Nach sechs Tagen war der Spuk vorbei. Am letzten Freitag wurde der Wettinger Kardiologe Thomas Binder auf Geheiss des Aargauer Verwaltungsgerichtes aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden entlassen, da es weder Anzeichen für eine Fremd- noch eine Eigengefährdung gab. Wie die Weltwoche bereits in Ausgabe 16/20 darlegte («Showdown in der Arztpraxis»), war nie klar, worin diese Gefährdung überhaupt bestanden haben soll. In der bisher einzigen Einvernahme konfrontierte die Kantonspolizei Aargau den Arzt mit einer Reihe von Tweets, die sich alle um Covid-19 drehen. Aus Binders Sicht handelt es sich dabei um eine simple Grippe, die aus politischen Gründen zur Pandemie gehypt wurde. Seine Kommentare muten streckenweise obsessiv an, die Theorien abenteuerlich – doch nirgends ist ersichtlich, wen er damit konkret bedroht haben könnte.

Sturm der Sondereinheit Argus

Wie aus den Akten hervorgeht, die der Weltwoche vorliegen, informierte Landammann Markus Dieth (CVP) den Polizeikommandanten Michael Leupold am 11. 4. 2020 um 18.42 Uhr, dass Binder «Verschwörungstheorien» über die sozialen Medien verbreite, «eine Armeewaffe zu Hause geholt und auch geschrieben habe, dass [er] über Ostern eine Lebensaufgabe erfüllen müsse». Die Polizei habe «den Fall als Bedrohung für die amtierenden Regierungsräte und allenfalls weitere Personen» eingestuft. Während die Regierungsräte unter Polizeischutz gestellt wurden, stürmte um 22.28 Uhr die schwerbewaffnete Sondereinheit Argus die Arztpraxis von Binder in Wettingen. Obwohl der Arzt keinerlei Widerstand leistete, wurde er zu Boden geworfen und wie ein Schwerverbrecher gefesselt. Anschliessend wurde im Beisein des Wettinger Gemeindeammanns Roland Kuster (CVP) eine Hausdurchsuchung in Binders Praxis durchgeführt. An seinem Wohnsitz fand man später eine Ordonnanzwaffe, die dort seit zwanzig Jahren unberührt lagerte, allerdings ohne Munition.

Der Amok-Verdacht zerschlug sich offenbar schnell. Jedenfalls stellte die Staatsanwaltschaft nicht einmal einen Haftantrag. Eine Pikettärztin des…..

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