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Vergessen im großen Wir

Wenn vor dem Virus alle gleich sein sollen, sind manche doch eindeutig gleicher.

In den Quartieren gehen die Jungen für die Älteren einkaufen. Auf den Strassen halten die SpaziergängerInnen respektvoll Abstand. Und von den Balkonen klatschen die Leute für das Spitalpersonal. Die Schweiz, sie ist zurzeit ein solidarisches Land. Eines, das sich von seiner besten Seite zeigt, in Zeiten der Krise niemanden alleinlässt. Und um den neu gewonnenen Zusammenhalt zu stärken, erklingt im Radio die behördliche Mannschaftsansprache in Dauerschleife: «Der Bundesrat und die Schweiz zählen auf Sie!»

In diesem Moment allerdings, in dem sich überall das grosse Wir konsolidiert, wird umso deutlicher, wer nicht dazugehört. Wer nicht gemeint ist von der Solidarität, vergessen geht, wenn es heisst, vor dem Virus seien alle gleich. Zu den Vergessenen gehören die Papierlosen und die BewohnerInnen der Asylzentren, ebenso die Männer, Frauen und Kinder, die vor geschlossenen EU-Aussengrenzen stranden oder auf den Inseln der Ägäis….

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