«Sie wollen eine Linie ziehen zwischen Wikileaks und dem übrigen Journalismus, zwischen Assange und den anderen Journalisten»

Julian Assange hat Kriegsverbrechen öffentlich gemacht, dafür wollen ihn die USA wegen Spionage ins Gefängnis werfen. Ein Gespräch mit Wikileaks-Chefredaktor Kristinn Hrafnsson über Transparenz und Journalismus in einer von Geheimhaltung überzogenen Welt. Und über sauberes Handwerk.

Teil 1. Reykjavík, Kollaps

«Ich bin ein Journalist alter Schule», sagt Kristinn Hrafnsson bei der ersten Zigarette. «Ich komme aus der Zeit der Schreib­maschinen und Faxgeräte.» Und das ist natürlich dann irgendwie überhaupt nicht das, was man vom Chef­redaktor einer Internet-Enthüllungs­plattform erwarten würde, die immer auf dem neusten Stand der Verschlüsselungs­technologie kommuniziert und den Journalismus in den letzten zehn Jahren mit breit angelegten Medien­kooperationen revolutioniert hat. Und die keine eigentlichen Redaktions­räume kennt, «und wenn dem so wäre, dann könnte ich es Ihnen nicht sagen, die Überwachung ist zu massiv», sagt er. (Hrafnsson weiss das, weil Google ihm Ende 2014 mitgeteilt hat, dass die US-Regierung das Unter­nehmen gezwungen hatte, alle vorhandenen Daten – private Mail­korrespondenz, GPS-Daten – des Wikileaks-Kernteams herauszugeben, jene von Hrafnsson, Sarah Harrison und Joseph Farrell.)

Also quasi alles, nur nicht Schreibmaschinen.

«Ich war lange ein klassischer Reporter», sagt der 57-jährige Isländer. «Ich arbeitete für das Staats­fernsehen. Mit Wikileaks hat sich mein Arbeits­…..

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