Einige Punkte und Hintergründe zur Lage in Idlib

Bildergebnis für erdogan putinArchivbild: Reuters/Sputnik

• Merkel und Macron schlugen Putin ein Vierer-Treffen mit Erdogan vor.

• Erdogan hat ein Vierer-Treffen sofort zugesagt, obwohl Putin noch keine Zusage erteilt hat.

• Putin vermeidet seit Tagen ein persönliches Treffen mit Erdogan, obwohl die türkische Seite immer wieder ein solches vorgeschlagen oder in den Raum geworfen hatte.

• Putin vermied bisher auch öffentliche Statements zur Lage in Idlib – anders als Erdogan, der täglich öffentliche Reden hält, Drohungen ausspricht und die türkische Öffentlichkeit zum Krieg anpeitscht.

• Durch seine provokativen Drohungen und Ultimaten, hat sich Erdogan selbst in eine schwierigen Lage manövriert.

• Bis spätestens Ende Februar soll das türkische Ultimatum gegen Syrien/Russland laufen. Danach, so versprach Erdogan, wird die türkische Armee auf eigene Faust – ohne Rücksicht auf Russland – gegen Syrien zuschlagen.

• Sollte das von Erdogan nur ein Bluff sein, um von Putin eine neue Waffenruhe rauszupressen, könnte das nun schief gegangen sein – weil Putin erst für den 7. März ein trilaterales Treffen mit Erdogan und Rouhani zugesagt habe.

• Es deutet einiges daraufhin, dass die russische Seite Erdogan ganz gezielt und bewusst auflaufen lässt. Denn je mehr Erdogan droht und irgendwelche Dinge verspricht, desto schwieriger wird es für ihn sein, einen gesichtswahrenden Ausweg zu finden.

• Auch die Invasion von ca. 10.000 türkischen Soldaten in Idlib lässt die Russen kalt. Jeder Angriff der Türken wird von der russischen Luftwaffe unterbunden. Türkische Verluste vergrößern die Demütigung von Erdogan noch weiter und verschlimmern die ausweglose Situation, in die sich der türkische Präsident selbst hineinmanövriert hat.

• Wenn es das Ziel von Erdogan war nur zu bluffen und eine Drohkulisse aufzubauen, damit die Russen einknicken, dann ist dieser Plan bisher kläglich gescheitert. Wenn Erdogan sein Gesicht innerhalb seiner eigenen Bevölkerung noch bewahren will, muss er zu immer drastischeren Mitteln greifen. Einen offenen Krieg gegen Syrien – und somit zwangsläufig auch gegen Russland – ist das denkbar schlimmste Szenario – aber es ist derzeit die letzte Option für die Erdogan – weil er selbstsicher damit gedroht hatte.

• Der letzte Ausweg wäre vielleicht eine von Deutschland und Frankreich vermittelte Waffenruhe. Dann könnte die Türkei die selbst aufgebaute Drohkulisse wieder abbauen und die türkischen Soldaten abziehen. Putin hat aber eine Teilnahme an einem Vierergipfel bisher nicht bestätigt.

• Es stellt sich nun die Frage, ob die Russen heimlich ein Interesse an einer von der Türkei initiierten Eskalation haben. Wenn das zutrifft, dann will Moskau scheinbar den Syrienkonflikt langsam zur Zielgeraden führen. Man möchte jetzt eine richtige Lösung finden und keine unsinnigen Spielchen mehr unterstützen (die Türkei hat die Vereinbarungen von Sotschi und Astana nie umgesetzt und die Russen und Syrer nur hingehalten).

• Erdogan befindet sich in einer Sackgasse. Seine Position wird von Tag zu Tag schlechter. Mit jedem getöteten türkischen Soldaten steigt auch die innenpolitische Kritik an den Präsidenten. Die Hilferufe an die NATO und USA zeigen nur die begrenzten Möglichkeiten der Türkei.

Hinter den Kulissen

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