Augenzeugen-Bericht aus einer Virus-Hochburg

Raphael ZumstegDer Zürcher Oberländer Raphael Zumsteg ging 2018 an die Universität Peking, wo er seine Frau kennenlernte. Das Paar lebt in Chongqing. Zumstegs Twitter zu China: @raphaelzumsteg

Ein junger Schweizer protokolliert, wie die Corona-Gefahr ihn und seine Frau zu „Gefangenen“ im eigenen chinesischen Haus machte.

21. Januar, Shenzhen und Hong Kong: Ich bereite mich auf mein Vorstellungsgespräch vor. Bevor ich unser Hotelzimmer verlasse, bittet mich meine Frau, Xiameng, eindringlich darum, am Kiosk Atemschutzmasken zu kaufen und diese vor dem Betreten des Schnellzugs nach Hong Kong aufzusetzen. Das Virus aus Wuhan sei daran, sich auszubreiten.

Widerwillig folge ich ihrem Rat, obwohl ich in Hong Kongs U-Bahn und auf der Star Ferry im Victoria Harbour praktisch der einzige bin, der ein solches Ding trägt.

Das Vorstellungsgespräch in der Anwaltskanzlei läuft sehr gut, und ich kann den Probezeitvertrag für eine Stelle im Mainland Rep Office in der Millionenmetropole Chongqing sogleich unterschreiben.

Xiameng gratuliert mir per Telefon und bittet mich im gleichen Atemzug darum, weitere Mundschutzmasken zu kaufen. Sie habe im Internet gelesen, dass die Masken in Shenzhen bereits ausverkauft seien und auch auf dem restlichen chinesischen Festland langsam knapp würden.

In Hong Kong scheinen die Dinger auch begehrt zu sein. Ich werde erst beim zweiten Anlauf fündig. Die Kundin vor mir scheint zudem dieselben Nachrichten gelesen zu haben, denn sie kauft auch gerade eine ganze Schachtel.

22. Januar, Zhengzhou: Fürs Chinesische Neujahr kehren wir in Xiamengs Elternhaus zurück. Nebst uns tun dies hunderte Millionen weiterer Personen, um die Festtage gemeinsam mit ihren Liebsten zu verbringen.

Der Flug von Shenzhen nach Zhengzhou verläuft nach Plan. Bei der Abreise……

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