Was ist in der Luft – World Urban Forum 2020 startet die weltweit größte Datenbank der Luftqualität in Echtzeit

Weltweit sind über 4,2 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr auf die Luftverschmutzung zurückzuführen. Die Mehrheit der Toten entfallen auf Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die Weltbank schätzt, dass die Luftverschmutzung jährlich 5 Billionen US-Dollar an Gesundheitskosten und 225 Milliarden US-Dollar an Einkommensverlusten verursacht. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Japans, dem dritt reichsten Land der Welt.

Der Belastung durch verschmutzte Luft kann man fast unmöglich entkommen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation atmen 9 von 10 Menschen Luft ein die gesetzte Grenzwerte überschreitet. Am stärksten betroffen von giftiger Luft sind die Menschen die in Städten und Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen leben.

Die Luftverschmutzung in Innenräumen fordert einen besonders hohen Tribut an Frauen und Kleinkindern, da sie sich am ehesten über längere Zeiträume in Innenräumen aufhalten, wo sie den Dämpfen von Koch- und Heizungsgeräten ausgesetzt sind. In weniger entwickelten Ländern atmen 98 Prozent der Kinder unter fünf Jahren giftige Luft ein. Folglich ist die Luftverschmutzung die Todesursache Nummer eins für Kinder unter 15 Jahren. Jährlich sterben so ca. 600.000 Kinder.

Die Notwendigkeit zu handeln ist dringender denn je, aber um zu handeln benötigen Politiker und Bürger spezifischere Daten zur Unterstützung ihrer Entscheidungen. Um diese Lücke zu füllen, hat das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in Partnerschaft mit UN-Habitat und IQAir – einem Schweizer Unternehmen für Luftqualitätstechnologie – die größte Datenbank der Luftqualität in Echtzeit entwickelt, in der die Luftqualitätsdaten für Feinstaub (PM2,5) aus Tausenden von Initiativen von Bürgern, Gemeinden, Regierungen und dem privaten Sektor gebündelt werden. Die interaktive Luftqualitätsplattform wurde auf der zehnten Sitzung des World Urban Forum in Abu Dhabi im Februar 2020 ins Leben gerufen.

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Die Plattform ermöglicht es auch, das Einzelpersonen die Daten sammeln – ein Ansatz mit einem doppelten Nutzen: eine größere Anzahl von Einzelmessungen und ein größeres öffentliches Bewusstsein für die Luftqualität. Tatsächlich sind vorhandene Schadstoffinformationen der Öffentlichkeit – einem wichtigen Interessenvertreter für die Minderung der Gesundheits- und Umweltauswirkungen der Luftverschmutzung – oft nicht ohne weiteres zugänglich.

Dadurch können Millionen auf diese Plattform zugreifen sowohl Einzelpersonen als auch Regierungsinstitutionen können den lokalen Stand der Verschmutzung verfolgen. Sie können individuelle Gesundheitsempfehlungen über die Plattform oder eine andere mobile Anwendung erhalten und Informationen zur Verbesserung der Luftqualität von Städten auf der ganzen Welt einsehen.

Die Plattform erhält derzeit Echtzeitdaten von mehr als 4.000 Anbietern (einschließlich Regierungen) und wird von mehr als 15 Millionen Nutzern genutzt.

“Die Bereitstellung von Echtzeitdaten in einem einfach zu verstehenden Format und in dieser Größenordnung ist ein wichtiger Schritt, den das UNEP unternimmt, um die Datenlücke zu schließen”, sagt Sean Khan, ein UNEP-Experte für Luft und globale Umweltüberwachungssysteme.

“Wir erwarten, dass dieser Datensatz nach der Einführung und den Anwendungsfällen von Erfolgen und Beiträgen zur Plattform, die die Replikation anregen sollen, wachsen wird. Die Stadtverwaltungen von Nairobi, Addis Abeba und Kampala haben ihre Sensorsysteme bereits an die Plattform angeschlossen und damit den Kontinent mit nur 50 öffentlich zugänglichen Datenquellen für PM2,5 auf mehr als 80 transformiert. Das ist ermutigend”, fügt er hinzu.

Da bis 2050 voraussichtlich 68 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden, sind geplante Maßnahmen zur Stadtentwicklung und Umweltpolitik zu einer wichtigen Säule bei der Minderung der Auswirkungen der Luftqualität auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt geworden.

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