Image result for Libanons „Oktoberrevolution“ am Scheideweg
Mittlerweile ist unbestreitbar, dass der Libanon einen historischen Moment erlebt. Mit 1,5 Millionen Menschen demonstrierte bereits ein Viertel der Bevölkerung auf den Straßen. Das sind unglaubliche Zahlen. Noch unglaublicher sind diese Zahlen vor dem Hintergrund der traditionslastigen konfessionellen Spaltungen im Landesinneren. Statt an religiösen Vorurteilen brechen die Konflikte mehr und mehr entlang der Klassenlinien auf.

Der Libanon ist ein zutiefst gespaltenes Land. Das hat historische Gründe. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges teilten die französischen und britischen Kolonialmächte den größtenteils arabisch bevölkerten Landstreifen, der bislang vom zerfallenen Osmanischen Reich kontrolliert wurde, unter sich auf. Das sogenannte Sykes-Picot-Abkommen sprach den französischen Kolonialherren unter anderem die Kontrolle über ein Gebiet zu, das sie als Großlibanon bestimmten. Vor allem die dort lebenden maronitischen Christen erfuhren durch die französische Kolonialmacht eine systematische Bevorzugung. Als Folge stiegen viele von ihnen zu Großgrundbesitzern und zur libanesischen Bourgeoisie auf. Gegensätzliche Entwicklungen erlebte die schiitische Bevölkerung des Südlibanons. Zwar arbeiteten nicht alle libanesischen Schiiten in der unterentwickelten Industrie…..