Leserbrief zum Artikel “Geschichtsrevisionismus: Resolution aus der Fälscherwerkstatt”

Leserbrief zum Artikel Geschichtsrevisionismus: Resolution aus der Fälscherwerkstatt vom 08.10.2019:
Neutrales Deutschland
Im großen Stil hält ein Revisionismus der Geschichte Einzug. Das EU-Parlament zeugt mit seiner Stellungnahme zum Hitler-Stalin-Pakt, wie er umgangssprachlich genannt wird, davon. Tatsache war, dass die UdSSR zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorbereitet war, einen Angriff von Hitler abzuwehren, und daher Zeit gewinnen wollte. Die »Ausdeutung« resp. Auslegung des Molotow-Ribbentrop-Paktes durch das EU-Parlament ist ein Skandal für sich. Im Infosperber wird dies von Christian Müller bestens richtig gestellt. Eine Variante des Geschichtsrevisionismus ist es auch, die »eigentliche Kriegsschuld« den »Angelsachsen« – statt Hitler – zuzuschieben. Diese Variante ist zwar noch nicht so publik und bisher wenig thematisiert. Für den ideologischen Aufbau der AfD oder rechtslastiger CDU-Kreise eignen sich vielleicht die »Angelsachsen« wunderbar, obwohl niemand bestreiten kann, dass der Zweite Weltkrieg von deutschem Boden ausging. Die offensichtliche Verliebtheit in die »Leistungen« der deutschen Wehrmacht in Afrika wird bei Gauland offenkundig, in der revisionistischen Geschichtsverfälschung ist sie jedoch fester Bestandteil. Versailles darf auch nicht fehlen.
Wem nützt der geschichtliche Revisionsmus? Wenn unsere »Eliten« wirklich die Absicht hätten, dass von deutschem Boden kein Krieg mehr ausgeht, dass sich Deutschland an Kriegen nicht mehr beteiligt, so wie es im deutschen Grundgesetz verankert ist, dann bringen uns auch Diskussionen über die Kriegsschuld, weder bezüglich des Ersten noch des Zweiten Weltkriegs, auch nur einen Millimeter weiter. Die Frage der völkerrechtlichen Neutralität Deutschlands stand nach dem Zweiten Weltkrieg im Raum. Sie stand ebenso im Raum anlässlich der Wiedervereinigung. Sie wurde schnell beiseitegeschoben.
Statt rückblickender nostalgischer und verfälschender Diskussionen scheint es uns viel zukunftsweisender, die Frage eines neutralen Deutschlands breit in die Öffentlichkeit zu tragen. Dazu gehört auch die Loslösung von jeglicher Bündnispolitik.

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