USA geben Geheimdokumente zur Nuklearstrategie von 1964 frei

Die genauen Pläne der US-Strategen, mit denen sie Anfang der 1960er Jahre einen Overkill des Ostblocks vorbereiteten, sind nach wie vor unter Verschluss. Dies gilt insbesondere für den Single Integrated Operational Plan (SIOP) für das Steuerjahr 1962 (SIOP-62), in dem der damals ranghöchste General Lyman Lewis Lemnitzer und der Air Force-Chef Curtis LeMay einen Überraschungsschlag empfahlen, um den Kommunismus ein für alle mal auszurotten (Vom Geheimkrieg zum Doomsday-Plan). Nunmehr jedoch haben die USA Dokumente von 1964 freigegeben, in welchen die Johnson-Administration ihre Strategie abstimmte.[…]

In einem solchen Fall wäre keine Zeit mehr für eine individuelle Auswahl an Zielen gewesen, vielmehr entschied man sich zum nuklearen Overkill: Die Vernichtung des Lebensraums in der Sowjetunion – und gleichzeitig China, das mit Moskau paktierte. Um sicherzustellen, dass mindestens 95% des atomaren gegnerischen Potentials zerstört würden, sah man über 1.000 Ziele der sogenannten Kategorie “Alpha” vor. Auf jeden größeren sowjetischen Stützpunkt sollten jeweils acht 20-Megatonnen-Bomben geworfen werden. (Die Realität übertraf damit Stanley Kubricks Satire “Dr. Seltsam”, der von jeweils drei Atombomben ausging.)

[…]Aus historischer Perspektive allerdings gab es kein Risiko eines sowjetischen Überraschungsschlags, vielmehr handelte es sich beim nuklearen Potenzial des Warschauer Pakts um Zweitschlagswaffen. Politiker wie Alexei Kosygin lehnten sogar einen Präventivangriff bei drohendem gegnerischen Erstschlag ab.
Sowjetunion und China sollten als lebensfähige Gesellschaften zerstört werden.

Der totale Overkill sah 1964 nach wie vor auch China als zu vernichtendes Ziel vor. Jeglichen Angriff wollte man zum Anlass nehmen, um den gesamten Sino-Sowjetischen Block auszulöschen. Einzig Jugoslawien, das sich nicht ganz so sehr an Moskau gebunden hatte, wäre nicht unmittelbar angegriffen worden, hätte jedoch den Fall Out der verstrahlten Nachbarländer abbekommen – sowie den nuklearen Winter, der allerdings erst Jahrzehnte später von der Wissenschaft vorausgesagt wurde.

Die Strategie sah wörtlich vor, die Sowjetunion und China als lebensfähige Gesellschaften zu vernichten. Daher hatte man neben den “Alpha”- und “Bravo”-Zielen (nukleare und nichtnukleare militärische Einrichtungen) explizit auch “Charlie”-Ziele vorbereitet, welche die Bevölkerung selbst betrafen.[…] Mehr hier….

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