Wider den Unsinn von den Strafzinsen: Wie die unkonventionelle Geldpolitik wirklich funktioniert

Als die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag den Zins für Bankguthaben bei der Zentralbank von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt hat, war in fast allen Medien von einem höheren Strafzins die Rede. Dabei ist der Ausdruck grob irreführend. Er bedient und vertieft ein Fehlverständnis von der Funktionsweise der Geldpolitik und richtet damit beträchtlichen Schaden in den Köpfen an.

Stellvertrend für viele Medienberichte sei hier einer von T-Online auf Basis von Texten der großen Nachrichtenagenturen zitiert:

  • “Europas Währungshüter stemmen sich mit allen Mitteln gegen die Konjunkturschwäche: Banken müssen künftig noch höhere Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem steckt die Notenbank frische Milliarden in Anleihen.”

Das Wort Strafe beinhaltet die Vorstellung, dass jemand für unerwünschtes Verhalten mit negativen Konsequenzen belastet wird. In den Medienberichten heißt es, sodass die Banken zu viel Geld bei der EZB „parken“ anstatt es produktiv zu verwenden, zum Beispiel für Kredite an Unternehmen. Dafür würden sie mit Negativzinsen bestraft. Dem liegt die völlig falsche Vorstellung zugrunde, die Banken könnten das Geld vom Konto bei der EZB abheben und einem Kreditnehmer geben, und dann wäre es weg. So ist es aber nicht.

Geld ist keine Flüssigkeit, sondern ein Buchhaltungseintrag mit doppelter Buchführung.

Geld „fließt“ nicht wie Wasser. Geld ist keine Flüssigkeit, sondern ein Buchhaltungseintrag mit doppelter Buchführung. Das Bild von fließenden Geld würde nur halbwegs stimmen, wenn es einen einzigen Geldkreislauf gäbe. Aber weil es zwei……

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