Michael Hudson: „Das Projekt der Aufklärung wird begraben“

Michael Hudsons Buch „Der Sektor – Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört“ steht schon seit mehreren Jahren auf meiner Leseliste. Als im August der WDR bei mir anfragte, ob ich im Rahmen einer Büchersendung über die kürzlich erschienene Taschenbuchausgabe des 600-Seiten-Opus sprechen wolle, sagte ich daher gern zu und holte die Lektüre umgehend nach. Das hat sich gelohnt. Das Werk des mittlerweile 80 Jahre alten amerikanischen Ökonomen, der selbst eine Art Legende ist (Patensohn Trotzkis, Ex-Wall-Street-Banker, Kapitalismuskritiker), besticht durch klare Logik und verständliche Schilderung.

Hudsons Botschaft ist einfach: Der Finanzsektor, bestehend aus Banken, Versicherungen und Immobilienunternehmen, saugt die Gesellschaft aus wie ein Parasit. Er entzieht dem Gemeinwesen, also Staat, Bürgern und produzierenden Firmen, durch seine Vermögenserträge (Zinsen, Dividenden, Mieten, Pachten) ständig riesige Summen, was alle betroffenen Ökonomien unproduktiver macht und letztlich unvermeidlich in den Ruin treibt. Griechenland war nur der Anfang.

Die reale Wirtschaft kann schlicht und einfach nicht dauerhaft so schnell wachsen, wie die stetig und mit unerbittlicher mathematischer Logik steigenden Zinsansprüche der Gläubiger. Am Ende des Spiels gehört dem Finanzsektor alles – und der Rest der…..

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