Am Anfang war der Staatsterrorismus

Am Anfang war der Staatsterrorismus (Götz Wiedenroth)

Terrorismus ist eine Sache von finsteren, zerzausten Dunkelmännern, die in irgendwelchen Kellern Bomben basteln, um den Staat und seine Bürger zu bedrohen, wird uns gerne weisgemacht. Falsch. Am Anfang des Terrors stand niemand anderer als der Staat. Und daran hat sich bis heute wenig geändert.

«Um die Machtausübung zu bewahren, ist es notwendig, sich zu gewissen Zeiten des Terrors zu bedienen», befand schon der berühmte Staatsphilosoph Niccolo Machiavelli im 16. Jahrhundert. Und dessen Werke sind es denn auch, die bei Politikern und «Sicherheitsexperten» überall auf der Welt im Schrank stehen, und nicht etwa das Grundgesetz oder andere Verfassungen.

Die Idee, mit Hilfe des Terrors zu regieren, ist also keineswegs neu. Ein weiterer, glühender Anhänger dieser Vorstellung war der französische Revolutionär und Führer Maximilien de Robespierre, der ein regelrechtes «Régime de la Terreur» errichtete. Mit dieser – übersetzt – «Schreckensherrschaft» sicherte sich der revolutionäre Staat seine soeben errungene Herrschaft über die Bevölkerung. Robespierres «Klub der Jakobiner» (nach dem ersten Tagungsort, dem Dominikanerkloster Saint-Jaques) regierte mit Hilfe von Einschüchterung, Verurteilung und Hinrichtung seiner wirklichen oder vermeintlichen Feinde. Bemerkenswert: Jakobiner-Chef Robespierre war der Ansicht, der Terrorismus stehe in einem engen Zusammenhang mit dem Streben nach Demokratie und einer besseren Gesellschaft. Das heisst also:

  1. Terrorismus war in der Geschichte der Neuzeit zunächst kein Instrument finsterer Dunkelmänner und Rebellen, sondern ein Instrument des Staates. Am Anfang des Terrorismus in der Geschichte der Neuzeit stand also der Staatsterrorismus.
  2. Terrorismus beschreibt zunächst keine physische, sondern eine psychologische Methode. Im Französischen steht das Wort «terreur» für «Angst» und «Schrecken».
Terror als Machtinstrument

Wenn hier von Staatsterrorismus die Rede ist, sollte niemand gleich die Nase….

Kommentare sind geschlossen.