Wer denkt, die USA wollen der Bevölkerung in muslimischen Ländern helfen

An dem Abend, als US-amerikanische Kampfflugzeuge unseren Wohnort Tikrit bombardiert haben, war es mein langjähriger Nachbar, der versucht hat, unser Haus in Brand zu stecken. Ja, unser Nachbar, den wir täglich begrüßt, mit dem wir Unterhaltungen geführt und uns gegenseitig geholfen hatten. Weil er wusste, dass wir der Saddam-Regierung gegenüber nahe standen, hat er mit einer Waffe in der Hand uns bedroht und angegriffen. Er war wie von Sinnen, hat überall lauthals rumgebrüllt, Saddam wäre jetzt weg, sie würden ihn stürzen, sie würden Saddam töten. Er hatte regelrecht die Invasion Iraks durch die USA begrüßt und unterstützt. Während des Irak Krieges habe ich meinen Mann und 3 meiner Söhne verloren. Mein Haus, meine Arbeit, alle meine Verwandten und Freunde habe ich verloren. So floh ich in die Türkei und fand dort wieder ein Zuhause.

Nach vielen Jahren traf ich unseren Nachbarn wieder, auf den Straßen von Şırnak. Er hatte ein Bein verloren und bettelte um Almosen. Ich ging zu ihm und machte mich erkenntlich. Ich fragte ihn, was er hier macht. Er erzählte mir, dass die Amerikaner ihnen nicht zugehört hätten und er während der ihm widerfahrenen Folter durch die Amerikaner sein Bein verloren hätte. Unser Nachbar, der sich damals über die Invasion Iraks durch die USA gefreut hatte und die Hoffnung hatte, seine Leute würden an die Macht kommen, bereute heute zutiefst seine damalige Haltung. “Könnten wir nur zurück und an der Seite Saddams gegen die Besatzung Iraks kämpfen”, sagte er.

Wenn die Westmächte ein Land besetzen und unter ihre Kontrolle bringen möchten, erzählen sie zuerst der Bevölkerung, ihr Anführer wäre ein Diktator. So spalten sie die Gesellschaft und schwächen das Land von innen heraus, um den Widerstand so gering wie möglich zu halten. Wenn sie dann im Land sind, plündern sie alles und massakrieren die Bevölkerung ohne zwischen ihnen zu unterscheiden. Diese Lehre haben wir bitter mit dem Verlust unserer Heimat und unserer Liebsten gezogen.”

Übersetzt vom arabischen ins Türkische und dann ins Deutsche. Originaltext von:
– Zeynep bin Hizab El-Uteybî

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