Jean Ziegler: “Der Aufstand des Gewissens regt sich überall”

Bildergebnis für Jean Ziegler: "Der Aufstand des Gewissens regt sich überall"Foto: © Jacques Erard

Seit über einem halben Jahrhundert gehört er zu den engagiertesten Kämpfern für Menschenrechte. Sein Einsatz für die Recht auf Nahrung und gegen die kannibalische Ordnung des Kapitalismus hat ihm Verleumdungen, Morddrohungen und finanziellen Ruin beschert. Doch der Schweizer Soziologe, Politiker, Buchautor und UN-Berater, denkt noch lange nicht an Aufgeben. DAS MILIEU sprach mit dem Menschenrechtler Jean Ziegler über das unsichtbare Leid der Dritten Welt, die Weltdiktatur der Oligarchen, die Legitimationstheorie des Neoliberalismus und die kommende Revolte.

DAS MILIEU: Ich war etwas schockiert als ich gelesen habe, dass Sie Schulden in Millionenhöhe haben. Als ich den Grund erfuhr, musste ich ein bisschen schmunzeln. Sie nannten den Schweizer Wirtschaftsrat „Geier“, den ehemaligen Präsidenten von Mali „Kleptokrat“ und den chilenischen Diktator Pinochet „Faschist“. Sie wurden zu Schadensersatzleistungen verklagt. Lachen Sie heute darüber oder bereuen Sie Ihre Entgleisungen?

Jean Ziegler: Wenn ich Geld hätte, könnte ich jetzt in Revision gehen. Viele dieser Halunken sind ja inzwischen ermordet worden, gestürzt oder verurteilt worden, aber ich habe kein Geld für Revisionszwecke im Haus. Die haben mich natürlich finanziell komplett fertiggemacht. Gegen Großbanken kann man nicht gewinnen, die können die besten Anwälte bezahlen. Aber trotzdem hat der Kampf genützt, weil er Transparenz geschaffen hat. Die Banken mussten sich erklären, sich beteiligen, öffnen. Zuvor waren sie ein Schattendasein gewöhnt. Der Gerichtssaal war ein Kampfplatz, den ich genutzt habe. Ich bereue also nichts von dem.

MILIEU: Mussten Sie jemals befürchten mehr zu verlieren, als nur Geld?

Ziegler: Ich war bedroht, meine Familie war bedroht……

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