Türkischer Masterplan: Vernichte die Kurden, verdränge die USA, baue das Kalifat neu auf

Putin, Erdogan verhandeln in Ankara während türkische Truppen Land in Syrien besetzen.

Die beiden Präsidenten, Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan, treffen sich, um ihre langfristigen strategisch-ökonomischen Beziehungen zu besprechen. Dennoch wird erwartet, dass die Situation in Syrien und der angekündigte Rückzug der US-Truppen aus dem besetzten Nordosten der Levante den größten Teil ihrer Diskussion einnimmt. Beide Präsidenten sind sich der kritischen Situation bewusst, insbesondere des Ziels der USA, die Türkei gegen Russland zu aufzustellen und gleichzeitig die US-Verbündeten, d.h. die Kurden der YPG und SDF, im Auge des Hurrikans zu lassen.

Es besteht kein Zweifel, dass die kurdischen Militanten zu einer Belastung für das US-Establishment geworden sind. Ihre US-Verbündeten versuchen, sie ihrem Schicksal zu überlassen oder sie ihrem schlimmsten Feind, der Türkei, zu übergeben. Damaskus würde es vorziehen, wenn die verlorenen Söhne in die Arme der Zentralregierung zurückkehren, wenn die Kurden nur erkennen würden, dass dies der einzige Weg sein könnte, ihr Leben und ihre Existenz zu retten. Wenn nicht, und die kurdischen Militanten darauf bestehen, als menschliche Schutzschilde zugunsten der US-Streitkräfte ihre Stellung zu halten, werden sie sogar für Damaskus entbehrlich werden.

Das derzeitige US-Establishment nutzt die Präsenz der US-Streitkräfte im Nordosten Syriens, um es ISIS zu ermöglichen, in einem kleinen geographischen Gebiet im Bezirk Albu Kamal östlich des Euphrats zu Tausenden zu bleiben. Es versucht auch, das russisch-türkische Bündnis zu spalten, indem es darauf besteht, das Gebiet, das den türkischen Streitkräften überlassen werden soll, zu übergeben, während Russland darauf abzielt, Syrien vereint zu halten und es der syrischen Armee zu ermöglichen, die Kontrolle über ihr eigenes Gebiet zurückzuerlangen. Dies zeigt, dass Washington nicht bereit ist, seinen Krieg in der Levante aufzugeben, obwohl sein „Regime Change“-Plan völlig gescheitert ist. Tatsächlich versucht das US-Establishment, eine instabile Situation zu erhalten, um die Pläne der syrischen Regierung zum Wiederaufbau Syriens zu verhindern.

Es besteht kein Zweifel an den türkischen Ambitionen in Syrien.  Das Osmanische Reich unterzeichnete 1923 im Hotel Beau Rivage in der Schweiz den Lausanner Vertrag. Lausanne gab der Türkei bessere Bedingungen als der frühere Vertrag von Sèvres, aber die Türkei war dennoch gezwungen, Ansprüche auf riesige Gebiete in Syrien und Irak (Mosul) aufzugeben.

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Die Türkei behauptet auf der Grundlage eines angeblichen Geheimartikels im Vertrag, dass der Lausanner Vertrag 2023 nach hundert Jahren ausläuft. Erdogan wird dann das Recht erhalten, die Energieressourcen in seinen Hoheitsgewässern zu nutzen. Darüber hinaus plant er, den Ablauf des Vertrages zu nutzen, um die Rücknahme von Gebieten in der Nachbarschaft der Türkei zu rechtfertigen.

Countdown für das Türkische Reich: Sobald dieser Vertrag abläuft, sind alle Wetten ungültig.

Es kann gut sein, dass die Entscheidung Ankaras, es ISIS und al-Qaida in den ersten Kriegsjahren zu erlauben, in Syrien und im Irak die Grenzen zu überqueren, eine Vorbereitung auf die Neuziehung der Grenzen war. Als ISIS Mosul 2014 besetzte, gehörte die Türkei zu den Ländern, die die ISIS-Besetzung eines Drittels des Irak als „sunnitische Revolution“ bezeichneten. Als türkische Diplomaten im Konsulat in Mosul als Geiseln gehalten wurden, handelte die Türkei ihre Freilassung aus und tauschte Geiseln und Gefangene mit der Terrorgruppe aus. Heute besetzen türkische Soldaten Ba’shiqa im Norden Iraks und weigern sich trotz wiederholter Forderungen der Zentralregierung in Bagdad sich zurückzuziehen.

In Syrien ist die türkische Armee in Afrin, Idlib, al-Bab und Jarablus präsent und steht mit 80.000 Mann bereit, um in die Provinzen al-Hasaka und Raqqah einzudringen, unter dem Vorwand, das Gebiet vor der YPG/PKK-Kontrolle zu retten.

Ankara versucht, so viel syrisches Gebiet wie möglich zu annektieren, darunter über 13.000 Quadratkilometer im Nordosten Syriens. Die Türkei hat viele Hinweise auf ihre Bereitschaft gegeben, einen Austausch mit Russland auszuhandeln. Erdogan erlaubte einer al-Qaida-Nachfolgegruppe (Hay ‚at Tahrir al-Sham), die Noureddine Zingi-Gruppe zu eliminieren, eine syrische Stellvertreterorganisation, die von der Türkei unterstützt wurde, bevor sie begann, finanzielle Unterstützung aus Saudi-Arabien zu erhalten. Mit einem klugen Zug hat der türkische Präsident der al-Qaida-Gruppe erlaubt, Idlib und seine ländliche Umgebung, was zum Waffenstillstand von Astana gehört, zu kontrollieren. Damit schafft er die Möglichkeit, Idlib als Verhandlungsmasse gegenüber Russland zu benutzen im Austausch für die von der US-Regierung vorgeschlagene „Sicherheitszone“.

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Die von Trump vorgeschlagene „Pufferzone“ ist ein Gebiet mit einer arabischen Mehrheit und einer kurdischen Minderheit, 490 km lang und 32 km breit, eine Landmasse, die größer ist als der Libanon. Trump behauptet, dass er bereit ist, seine Streitkräfte zum Wohle der Streitkräfte Ankaras aus diesem Gebiet abzuziehen.

Erdogan ist sich bewusst, dass die USA sich möglicherweise nicht sofort zurückziehen, nimmt aber die Aussicht ernst, dass die türkischen Streitkräfte und nicht die syrischen Streitkräfte die Kontrolle über das betreffende Gebiet übernehmen können. Ankara schwieg zum Mordfall Khashoggi, nachdem die USA beschlossen hatten, die syrische „Pufferzone“ an die Türkei, einen NATO-Verbündeten, zu übergeben. Trump versucht, Erdogan aus Putins Umarmung zu lösen.

Die US-Regierung übt großen Druck auf die Länder der arabischen Golfstaaten aus, um sie daran zu hindern, sich am Wiederaufbau Syriens zu beteiligen und Syrien wieder in die Arabische Liga aufzunehmen. Sie schließt auch die Grenzen zwischen Syrien und dem Irak bei al-Tanf, um das Wachstum des Handels zwischen den beiden Ländern zu stoppen. Sie behält die Kontrolle über den nordöstlichen öl- und gasreichen Teil Syriens und behindert das Wachstum der syrischen Wirtschaft.

Deshalb wird es Erdogan vielleicht nicht sehr schwer fallen, Putin von seinem Plan zu überzeugen, die amerikanische gegen die türkische Besatzung zu tauschen, vor allem, wenn der Preis der Tausch von Idlib für das Gebiet al-Hasaka/Raqqqah wäre. Es ist nicht das erste Mal, dass der türkische Präsident eine solche Vereinbarung getroffen hat. Er hat wirksam dazu beigetragen, dass Aleppo und al-Ghouta in die Hände der syrischen Armee zurückgekehrt sind.

Ungeachtet der Tatsache, dass der Rückzug der USA ungewiss ist und von allen in Syrien tätigen Parteien nicht ernst genommen wird, wird die Schaffung einer „Pufferzone“ kein Spaziergang im Park sein. Die Kurden werden ihr Territorium verteidigen, aber am Ende ihre Dörfer verlassen – wie in Afrin – und in das von der syrischen Armee kontrollierte Gebiet gehen. Die kurdischen Militanten werden die größten Verlierer sein, weil sie es mit einem US-Präsidenten zu tun haben, der seine Meinung regelmäßig ändert, bei einer Entscheidung schläft und bei einer ganz anderen aufwacht.

Ankara braucht die „Pufferzone“, um seinen Verbündeten in Syrien, die sich um den Trump-Erdogan-Vertrag sorgen, ein Angebot zu machen. Diese Gruppen hegen heute ernsthafte Bedenken betreffs ihres Schicksals. Erdogan plant, den an Landwirtschaft und Öl reichen nordöstlichen Teil Syriens an seine Stellvertretertruppen zu übergeben, damit sie auf Kosten der Kurden, der größten Verlierer, ein Stück Land haben können.

Übersetzung LZ

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