Die Zukunft der westlichen Demokratie wird sich in Brasilien zeigen

Wenn man es aufs Wesentliche reduziert, so stellen die brasilianischen Präsidentschaftswahlen einen direkten Zusammenstoß zwischen der Demokratie und einem Faschismus des frühen 21. Jahrhunderts dar, ja zwischen Zivilisation und Barbarei, schreibt Pepe Escobar.

Die Zukunft der westlichen Demokratie wird sich in Brasilien zeigen

von Pepe Escobar

In Brasilien entscheidet sich die Zukunft der Politik im Westen – und die des gesamten globalen Südens.

Die brasilianischen Präsidentschaftswahlen stellen, auf das Wesentliche reduziert, einen direkten Konflikt zwischen Demokratie und einem Neofaschismus des frühen 21. Jahrhunderts dar, ja zwischen Zivilisation und Barbarei.

Die geopolitischen und weltwirtschaftlichen Nachwirkungen werden immens sein. Das brasilianische Dilemma beleuchtet all die Widersprüche rund um die rechtspopulistische Offensive im Westen, und auf der anderen Seite der unaufhaltsame Zusammenbruch der Linken. Die Einsätze konnten nicht höher sein.

Jair Bolsonaro, ein offener Anhänger der brasilianischen Militärdiktaturen des letzten Jahrhunderts, der als “Kandidat der extremen Rechten” normalisiert wurde, gewann am Sonntag die erste Runde der Präsidentschaftswahlen mit mehr als 49 Millionen Stimmen. Das waren 46 Prozent der Gesamtzahl, nur knapp unter der Mehrheit, die für einen Gesamtsieg nötig war. Das an sich ist schon eine atemberaubende Entwicklung.

Sein Gegenspieler, Fernando Haddad von der Arbeiter-Partei (PT), erhielt nur 31 Millionen oder 29 Prozent der Stimmen. Er wird nun am 28. Oktober in einer Stichwahl auf Bolsonaro treffen. Haddad erwartet eine Sisyphusaufgabe: Um mit Bolsonaro gleichzuziehen, braucht er jede einzelne Stimme derjenigen, die die dritt- und viertplazierten Kandidaten unterstützt haben, plus einen wesentlichen Teil der fast 20 Prozent der Stimmen, die als ungültig gewertet wurden.

Inzwischen bekennen sich laut den jüngsten Umfragen nicht weniger als 69 Prozent der Brasilianer als Unterstützer der Demokratie. Das heißt, 31 Prozent tun das nicht.

Kein tropischer Trump

Nicht einmal der Begriff „Mittelpunkt der Dystopie“ reicht für eine Beschreibung. Die progressiven Brasilianer haben Angst davor, vor einem mutierten “Brazil” (dem……

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