Die Tyrannei des Wahrscheinlichen in der Justiz

Gestern noch düstere Dystopie – heute en vogue: der Einsatz von Algorithmen in der Strafjustiz. Das wird gravierende Folgen haben – für Justizangestellte und für den Rechtsstaat. Ein Gastbeitrag von Strafrechtsprofessorin Nadja Capus.

uncuttippWie könnte grösstmöglicher Schutz vor Kriminalität erreicht werden? Die Antwort ist einfach: Wenn man Straftaten verhinderte, bevor sie begangen würden.

Tatsächlich kommen seit einigen Jahren immer häufiger Algorithmen im Dienst dieser Prävention zum Einsatz. Die Behörden erhoffen sich damit genauere Prognosen und effizientere Strafmassnahmen. Die Entwicklung ist nicht neu: Algorithmenbasierte Programme zur Einschätzung der Gewaltgefahr oder des Rückfallrisikos von Straftätern gibt es seit Jahrzehnten. Aber ihre Anzahl, ihr Anwendungsgebiet und ihr Stellenwert haben sich erheblich geändert. Es gibt algorithmenbasierte Programme, welche die Wahrscheinlichkeit eines Sexualdelikts errechnen oder die islamistische Radikalisierung ermitteln; wieder andere berechnen die Gefahr eines Amoklaufs an einer Schule oder das Risiko häuslicher Gewalt. Aber erzielt der Einsatz von Algorithmen im Strafrecht die erhoffte Wirkung?

Der Faktor Mensch: Teuer und kompliziert

Richtig erfolgreich arbeitet ein Algorithmus dann, wenn er eine grosse……

Kommentare sind geschlossen.