NATO bereitet sich auf einen grossen Krieg gegen Russland vor

In zwei Jahren steht eine schnelle Eingreiftruppe von 50-70.000 Mann bereit, während die Zahl der Kriegsplaner von 1.200 auf 8.000 steigt.

Die Verteidigungsminister aller NATO-Mitgliedsstaaten trafen sich am 7. Juni in Brüssel und beschlossen, in den nächsten zwei Jahren alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um kurzfristig und jederzeit insgesamt 90 Militär-, Marine- und Luftwaffenkampfeinheiten mobilisieren zu können.

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Zu diesem Zweck werden zwei neue Hauptsitze gebaut, von denen sich einer in Norfolk, Virginia, befindet. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wird das Norfolk-Zentrum den schnellen Einsatz von Kampfeinheiten über den Atlantik organisieren, so dass das “gesamte Spektrum der transatlantischen Missionen” erfolgreich durchgeführt werden kann.

“Die Rückkehr der Großmächte und ein wiederauferstandenes Russland verlangen, dass sich die NATO auf den Atlantik konzentriert, um eine fähige und glaubwürdige Abschreckung zu gewährleisten”, erklärte Pentagon-Sprecher Johnny Michael Anfang Mai. Das neue NATO-Kommando wird “der Dreh- und Angelpunkt der transatlantischen Sicherheit” sein.

Das zweite neue Joint Support Enabling Command (JSEC) wird auf Vorschlag der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Ulm gebaut.

“Es wird ein neues NATO-Kommando sein, das im Falle einer Krise alle militärischen Truppenbewegungen im Bündnisgebiet koordinieren soll”, sagte von der Leyen auf dem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel. Der Aufbau des neuen Kommandos soll auf der Grundlage des in Ulm operierenden Multinationalen Kommandos erfolgen. Dieses einzigartige Zentrum erfüllt bereits Aufgaben der NATO, der UNO und der EU und hat nach Angaben der Bundeswehr bereits mit den Vorbereitungen für die JSEC begonnen.

Die JSEC soll bis 2021 ihre volle Einsatzbereitschaft erreichen. Bereits bis 2020 sollen 90 Einheiten aus allen drei militärischen Bereichen (Armee, Marine, Luftwaffe) so aufgerüstet werden, dass sie im Ernstfall innerhalb von 30 Tagen zum Einsatz kommen können.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte an, dass 30 Armeebataillone (30.000 Mann) für diesen Zweck zur Verfügung stehen würden. Darüber hinaus sollen 30 Flugzeugstaffeln und 30 große Kriegsschiffe sowie U-Boote innerhalb von “30 Tagen oder weniger” mobilisiert werden können.

Diese Einheiten werden in Zukunft die bereits bestehende NATO Response Force (NRF) verstärken. Bisher bestand die NRF aus 20.000 schnellen Eingreiftruppen und einem Reservepool von weiteren 20 Bataillonen.

Darüber hinaus kündigte Stoltenberg eine Erhöhung der Zahl der Stellen im multinationalen Planungs- und Führungspersonal der NATO von derzeit 1.200 auf 8.000 an.

Die deutsche Armee hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass diese massive Aufrüstung die Vorbereitung auf einen großen Krieg zum Ziel hat. “Es geht im Grunde darum, sich auf eine Intervention vorzubereiten”, sagte von der Leyen. Es muss möglich sein, Truppen in hoher Einsatzbereitschaft zu halten, damit sie schnell eingesetzt werden können.

Laut einem Bericht des Heereskommandos “Im Falle eines Angriffs auf einen Verbündeten wird die Kommandozentrale für Truppen- und Materialtransporte innerhalb Europas zuständig sein und deren Schutz koordinieren. Bereits auf dem Weg zum Einsatzgebiet und weit im Voraus kann die Planung zentralisiert und die Schutzaufgaben harmonisiert werden.

“Das mögliche Einsatzgebiet erstreckt sich auf den Zuständigkeitsbereich von SACEUR (Oberster Befehlshaber der NATO in Europa), von Grönland über Afrika und Europa bis hin zu den Küstengewässern”.

Die Kriegsvorbereitungen richten sich speziell gegen die Atommacht Russland.Wenige Tage vor dem Treffen der NATO-Verteidigungsminister kündigte die Europäische Kommission an, bis 2027 6,5 Milliarden Euro in den Bau neuer Straßen in Europa zu investieren, damit Truppentransporter und Militärfahrzeuge die baltischen Länder kurzfristig erreichen können. Derzeit sind Brücken und Schienennetze oft nicht für die schweren Kettenfahrzeuge ausgelegt.

Die Vorbereitungen für den Krieg in Osteuropa laufen bereits auf Hochtouren, wobei Deutschland eine Schlüsselrolle spielt. Sie steht bereits im Mittelpunkt der verstärkten NATO-Präsenz in Litauen mit 4.000 Soldaten an der Ostgrenze der NATO. Darüber hinaus wird die Bundeswehr 2019 und 2023 die Führung der “NATO-Speerspitze” VJTF (Very High Readiness Joint Task Force) übernehmen.

Seit Mai gibt es große Transfers von NATO-Streitkräften über Deutschland nach Osteuropa, die bis Ende Juni andauern werden. Im Rahmen der Operation “Atlantic Resolve III” sollen 3.500 US-Soldaten und rund 1.400 Fahrzeuge sowie Vorräte nach Polen und in die baltischen Staaten transferiert werden. Darüber hinaus laufen bereits massive Übungen mit deutscher Beteiligung.

Bildergebnis für nato Saber StrikeBild Wikipedia

Die NATO-Übung “Saber Strike” findet derzeit in Litauen statt, wobei die Bundeswehr die Verstärkung der Ostflanke anführt. Nach Angaben der US-Armee nehmen rund 18.000 Soldaten aus 19 Ländern an der Übung teil. Die Operation umfasst unter anderem den simulierten Sturm auf die russische Kaliningrader Exklave durch die Suwalki-Lücke zwischen Litauen und Polen. Die Bundeswehr beteiligt sich in diesem Jahr mit rund 12.000 Soldaten an NATO-Übungen und verdreifacht damit ihr Engagement gegenüber dem Vorjahr.

Unter den Bedingungen wachsender Konflikte zwischen den NATO-Mächten selbst sieht das Bundesverteidigungsministerium die NATO-Offensive gegen Russland als Mittel zur Stärkung der eigenen militärischen Schlagkraft. Die Führung der VJTF muss “bestimmte Einheiten investieren und modernisieren, um sie auf den neuesten Stand zu bringen”, sagte von der Leyen. Dies wird auf der Tagesordnung des bevorstehenden NATO-Gipfels im Juli ganz oben stehen.

 

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