Unter Anklage: Moderne Sklaverei. Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen in Katar

Über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen auf WM-Baustellen in Katar wurde viel berichtet. Ein Rückblick zeigt: Verbesserungen blieben begrenzt.

»Katars politisches System mag autokratisch sein, aber es ist stabil und beliebt zugleich«, bilanziert Mehran Kamrava von der »Georgetown University’s School of Foreign Service in Qatar« (2015: 107). Frage, Herr Professor: Beliebt bei wem? »Von den 2,7 Millionen Menschen in Katar sind 2,4 Millionen Ausländer, nur etwa 315.000 sind Staatsbürger. « (SZ, 28.6.2017) Im Zuge des Baubooms ist die Nachfrage nach migrantischen Arbeitskräften ungebrochen. […]

Die Arbeitsbedingungen, die 2013 für Schlagzeilen sorgten, beruhten auf dem sogenannten Kafala-System, das in den Golf-Staaten weit verbreitet ist und ein Bürgschaftssystem bezeichnet (kafil = Bürge). Der Bürge ist nicht der Staat, sondern meist der jeweilige Lohnherr. Der kann den Arbeitern – und vor allem im Haushaltsbereich: den Arbeiterinnen – untersagen, die Arbeitsstelle zu wechseln und bei einer vertraglichen Laufzeit von meist zwei bis fünf Jahren auch die Pässe einziehen. Durch diese Form der Auslieferung besteht im Kern nicht bloß ein Ausbeutungsverhältnis, sondern eine buchstäbliche Entrechtung.

Infolge internationaler Kritik verkündete Katar eine Arbeitsmarktreform, mit der…..

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