Die Simulation der Demokratie

Einer der kompliziertesten und frustrierendsten Aspekte, ein globales, kapitalistisches Imperium am Laufen zu halten, ist die Aufrechterhaltung der Fiktion, dass es so ein Imperium gar nicht gibt. Praktisch jede Handlung, die man unternimmt, muss sorgfältig in einen anderen Zusammenhang gebracht oder sonstwie für den öffentlichen Bedarf hingedreht werden. Jedes Mal, wenn man zur Erweiterung seiner Interessen irgendein Land bombardieren oder besetzen will, muss man einen kompletten Werbefeldzug starten. Man kann nicht einmal einen sadistischen Folterfreak zur Chefin seiner eigenen umstürzlerischen Agentur ernennen oder ein paar Tausend unbewaffnete Menschen in einem de facto Ghetto abknallen, ohne ein riesiges Märchen über „die Verteidigung der Demokratie“ und „die demokratischen Werte“ abzuziehen.

Eine nackte Tyrannei ist da um so viel einfacher, ganz zu schweigen von emotional befriedigender. Wenn man wie ein gottgleicher Diktator ein Imperium beherrscht, dann muss man sich nie entschuldigen. Man kann foltern und töten wen man will und jedes Land erobern und plündern das man will, ohne dass man sich jemandem erklären muss. Außerdem kann man sein gigantisches Bild an die Wände von Gebäuden hängen lassen, Leute dazu bringen, dir die Treue zu schwören und das ganze andere coole Diktator-Zeug.

Diesen Luxus haben globale Kapitalisten nicht. Die Simulation einer Demokratie herzustellen, die die meisten westlichen Konsumenten dringend brauchen, damit sie so tun können als glaubten sie, dass sie nichts anderes als reibungslos……

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