Bombe mit Zeitzünder

Logo am FensterEinst ein Label für Qualitätsjournalismus, heute ein Geschäftsmodell mit digitalen Marktplätzen: das «T» am Tamedia-Hauptsitz am Zürcher Stauffacher. Walter Bieri/Keystone

Der Aufstieg des Zürcher Medienkonzerns Tamedia und der Niedergang der Schweizer Presse führen zur grössten Massenentlassung in der Schweizer Mediengeschichte.

Prolog: Das Rätsel

Am 23. August 2017 kündigt Tamedia an, alle Redaktionen ihrer Tageszeitungen zu je einer Einheitsredaktion für die Deutsch- und die Westschweiz zu fusionieren. Es ist das grösste interne Sparprojekt, das die Zürcher Mediengruppe je gesehen hat. Doch am Tag des grossen Knalls versichert das Management öffentlich: «Mit der Einführung der neuen Organisation sind keine Kündigungen verbunden.»

Eine Monster-Sparübung ohne Kündigungen? Kann das die Wahrheit sein?

Wer intern zum Kreis der Informierten zählte, wusste: Nein. Seit Ende 2016 fanden am Tamedia-Hauptsitz in Zürich fast wöchentlich Sitzungen zum «Projekt 2020» statt. Die 30-köpfige Projektgruppe um Superchefredaktor Arthur Rutishauser, seinen Stellvertreter Simon Bärtschi, Verlagsleiter Marcel Tappeiner und Projektleiter Ueli Eckstein wälzte dabei unter anderem Pläne zur Fusion aller Tamedia-Redaktionen. In ihren Papieren rechneten die Manager damit, dass mit einer Einheitsredaktion «ab Zeitraum 2018/19» die «nötigen Spareffekte» erzielt werden können, um «über alle Kostenblocks» den «prognostizierten Ertragsrückgang um 30 Prozent zu kompensieren».

Im Klartext: Über den dreijährigen Zeitraum bis 2020 gehen die Tamedia-Manager im Mediengeschäft von einem Rückgang der Einnahmen um 30 Prozent aus. Um die Gewinnmarge zu halten, müssen daher die Kosten……

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