Wenn Journalisten vor Redaktionsschluss pokern – und verlieren

Luzerner Zeitung meldet Erfolg der Opposition in Ungarn © Hp. Guggenbühl

«Der Aufstand der Orban-Gegner», titelten viele Schweizer Zeitungen am Tag, nachdem Orban die Wahl gewonnen hatte. Ein Lehrstück.

Am Sonntagabend kurz nach 23 Uhr war alles klar: Viktor Orban gewann die Parlamentswahl in Ungarn. Rund 49 Prozent aller Stimmen entfielen auf seine nationalistische Fidesz-Partei, fünf Prozent mehr als vor vier Jahren. Dank Majorzsystem verfügt die Fidesz damit über mindestens 133 Mandate im 199 Sitze umfassenden ungarischen Parlament. Mit dieser Zweidrittels-Mehrheit sichert sich Orban noch mehr Macht, als er bisher schon hatte. Seine Gegner erlitten trotz hoher Wahlbeteiligung eine verheerende Niederlage.

Das Dilemma vor Redaktionsschluss

Leider wurde dieses klare Ergebnis am Sonntagabend erst nach Redaktionsschluss der meisten Zeitungen publiziert. Die Medienschaffenden gerieten damit ins Dilemma: Sollen sie ihren Leserinnen und Lesern in einer kurzen Meldung kundtun, dass sie das Ergebnis bei Druckbeginn noch nicht kannten – und damit das Feld……

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