Interview mit meedia.de

Die Medien sprechen wahlweise von einem Daten-Skandal, Daten-Leck oder Daten-Diebstahl. Um was handelt es sich bei dem Facebook/Cambridge Analytica-Komplex Ihrer Meinung nach?

Cambridge Analytica hat die Facebook-Schnittstellen genutzt. Da war kein Hack involviert, kein Einbruch, kein Eindringen. Facebook stellt diese Möglichkeiten zur Verfügung, und Cambridge Analytica hat sie genutzt.

Cambridge Analytica hat eine App publiziert, die vorgab, eine Art Psychologie-Test zu sein, aber die tatsächlich mit den existierenden, so gewünschtren und dokumentierten Facebook-Funktionen die Profile der Facebook-Freunde der Menschen abgegriffen hat, die ihre Psychotest-App benutzt haben.

Soweit zu den Fakten, wie sie bisher bekannt sind.

Aus meiner Sicht sitzen alle Beteiligten im Glashaus.

Cambridge Analytica hat ihre Opfer mit irreführenden Versprechungen belogen. Das ist unmoralisch, ja, aber nicht verboten. Facebook macht nichts anderes, die ganze Zeit. Facebook ist ein Werbenetzwerk. Werbung ist per Definition irreführende Versprechungen.

Daher gibt es Regeln für Werbung und Kleinkinder und Facebook fragt das Alter ab und will nur einen Account einrichten, wenn man sagt, dass man mindestens 13 ist.

Wer den Schuss nicht hört, der sollte sein Problem nicht bei Facebook sondern im Spiegel suchen.

Cambridge Analytica hat 50 Millionen Accounts abgesaugt. Mag sein. Aber Facebook hat 2 Milliarden Accounts, und sammelt auch Daten über Menschen, die keinen Account bei ihnen haben. Alles, was es dazu braucht, ist dass Webseiten einen Facebook-Like-Button einblenden. Viele Tausende von Webseiten tun……

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