Kurden: Chronologie eines wiederholten Verrats

Türkische Soldaten im Einsatz in der Nähe von Afrin © TRT

Die nordsyrischen Kurden rufen Damaskus zum Beistand auf – und gestehen damit gleichzeitig ihre politische Niederlage ein.

Sechs Tage liess die türkische Armee ihre Luftwaffe die nordsyrische Region Afrin gnadenlos bombardieren und ihre Panzer das Gebiet beschiessen. Sechs Tage lang dauerte auch der erbitterte Widerstand der attackierten Kurden in Afrin. Am späten Donnerstagabend haben sie den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad um Hilfe gebeten. «Wir rufen den syrischen Staat auf, seinen Verpflichtungen nachzukommen und die Armee zu entsenden, um die Grenze mit der Türkei gegen Angriffe der türkischen Besatzer zu schützen», hiess es in einer auf der Internetseite der lokalen Verwaltung veröffentlichten Erklärung. Damaskus stehe in der Pflicht, «Afrin zu verteidigen», erklärte kurz danach auch das führende Mitglied des Exekutivrats von Afrin, Othman al-Scheich Issa, der Presse. Afrin sei ein «untrennbarer Teil Syriens», sagte er. «Jeder Angriff auf Afrin ist ein Angriff auf die Souveränität des syrischen Staates.»

Obwohl der türkische Vormarsch in Nordsyrien kaum voran kommt und bereits viele Opfer gefordert hat, kommt für die Kurden Afrins ihr Hilfe-Aufruf an Damaskus einem Zugeständnis ihrer Niederlage gleich. Seit 2012 kontrollierten die Milizen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) diese Provinz. Weil sich die Kurden nie offen gegen das Regime von Assad gestellt haben, blieb Afrin all die Jahre des Kriegs auch verschont. Augenzeugen berichteten von einer gut funktionierenden Wirtschaft sowie Verwaltung im Gebiet, von offenen Schulen und Universitäten, von einem Ort, wo auch Flüchtlinge aus anderen Teilen des Landes Schutz fanden. Die Kurden träumten indes, das westliche Afrin mit den zwei östlich des biblischen…..

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