Kickt Erdogan die USA aus Nahost?

Erdogans angestrebte Verfassungsänderung kommt. Bild: CC0 Public Domain, pixabay / geralt.Bild: CC0 Public Domain, pixabay / geralt.

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es die Hoffnung, dass zwischen den syrischen Kurden im Norden Syriens mit dem Rest des Landes eine friedliche Einigung erzielen könnten. Die Regierung von Bashar al-Assad hatte in der Vergangenheit signalisiert, den Kurden eine Autonomie zu gewähren. Voraussetzung war jedoch, dass amerikanische Truppen das syrische Staatsgebiet verlassen sollten. Die Kurden reagierten positiv auf das Entgegenkommen von Assad und schlossen ein Anschluss der YPG-Einheiten an die Sicherheitskräfte des Landes nicht aus.

Doch von Frieden hätten die USA und Israel keinen Nutzen, da die US-Armee sich dann aus Nordsyrien zurückziehen müsste – und den geopolitischen Einfluss in der Region endgültig einbüßen würde. Obwohl die Kurden nach den blutigen Jahren mit dem IS sich nach Frieden sehnen, erlauben es ihnen die USA nicht. Die Geheimgespräche zwischen Damaskus, Moskau und syrisch-kurdischen Vertretern, die anfangs sehr Vielversprechend begonnen hatten, endeten wegen der Einmischung der USA ohne Einigung.

Nun begann Russland damit, die eigenen Truppen aus Syrien abzuziehen – auch die russischen Soldaten in den von Kurden beherrschten Gebieten in Nordsyrien werden in den nächsten Tagen zurückgezogen. Viele Kurden zeigen sich besorgt, weil man sich wieder komplett von den USA abhängig macht. Erst recht, nachdem in den vergangenen Wochen offiziell bekannt wurde, dass kurdische Kämpfer im Kampf gegen ISIS auch auf dem östlichen Ufer des Euphrats massiv durch russische Kampfjets unterstützt wurden – und nicht wie westliche Medien behaupten, nur durch die von der US angeführten Koalition.

Russland hat sich also um Frieden bemüht und alle friedlichen Kräfte im Land gegen die Terrorgruppen unterstützt. Die Kurden durften aber nicht – weil die USA es ihnen nicht erlauben. Die USA brauchen die Kurden anscheinend noch als geopolitische Karte, die sie zu einem späteren Zeitpunkt einsetzen können.

Nun zieht sich Russland zurück und dieser Schritt könnte den Konflikt innerhalb der NATO weiter eskalieren lassen. Denn die Türkei ist strikt gegen die Unterstützung von kurdischen Kämpfern in Syrien und droht ihrerseits mit einem militärischen Eingreifen in Nordsyrien. Nachdem Russland sich zurückgezogen hat, gibt es nur noch eine Macht, welche die Türkei daran hindern könnte – die USA!

Die USA haben ihrem NATO-Partner Türkei versichert, keine Waffen mehr an die Kurden zu liefern. Videoaufnahmen beweisen jedoch, dass die USA sich an das Versprechen nicht gehalten haben. Wie lange die Türkei sich weiter von den USA an der Nase herumführen lässt, kann schwer vorausgesagt werden. Beobachter glauben aber, dass die Vorbereitungen der Türkei zum Krieg gegen die von den USA unterstützen Kämpfern vor dem Abschluss stehen.

Es gibt ein Szenario, was wir, HDK, vermuten und vor Monaten bereits prognostiziert haben. Ein Einmarsch der Türkei in die kurdisch-kontrollierten Gebiete würde zu diplomatischen Verwerfungen mit den USA führen.

Bildergebnis für syrien kurdenBildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Infolgedessen könnte die Türkei den Luftraum und die Nachschubwege der US-Armee nach Nordsyrien blockieren. Da auch die irakische Armee die Kontrolle über die syrisch-irakische Grenze übernommen hat, wäre das von den USA unterstützte kurdische Gebiet in Nordsyrien komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die dort illegal stationierten US-Soldaten säßen dann sozusagen in der Falle.

Die USA wären bei einem solchen Szenario gezwungen sich aus Syrien zurückzuziehen und die Kurden alleine zu lassen. Dann hätten die Kurden ein großes Problem – da sie die Chance auf Frieden und Autonomie jetzt auf Druck der USA ablehnen mussten. Damaskus und Moskau hätten für den Frieden und der territorialen Integrität [Syriens und der Autonomiegebiete mit eingeschlossen] gebürgt – und einen möglichen Einmarsch oder Luftangriffe der Türkei verhindern können.

Aber in dem oben beschriebenen Szenario würde keiner der Türkei an einem Einmarsch hindern – da die Gelegenheit zum Frieden verpasst wurde. Es sei denn, die USA würden einen Krieg gegen einen NATO-Partner in Erwägung ziehen und das „Verteidigungsbündnis“ komplett begraben. Dann hätte es Trump fertig gebracht, in nur wenigen Monaten Israel international zu isolieren und die geopolitischen Interessen der US-Elite zu zerstören.

Egal wie es letzten Endes kommt: Russland und auch die sogenannte „Achse des Widerstandes“, bestehend aus Iran, Irak, Syrien und Libanon könnten als Gewinner hervorgehen. Der Kurden-Konflikt könnte die NATO spalten und den eigentlichen Zweck dieses „Verteidigungsbündnisses“, Russland geographisch, wirtschaftlich und militärisch einzukreisen, unmöglich machen. Es deutet einiges daraus hin, dass das strategisch wichtige Land Türkei aus der NATO austreten und sich dem Bündnis mit asiatischen Mächten annähern will. Für den Westen wäre der nahe Osten endgültig verloren und der US-Dollar ohne die Bodenschätze der Region nicht mehr das Papier wert, auf das es bedruckt ist.

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