Profitiert Israel von Trump?

Bild könnte enthalten: 1 Person, Himmel und im FreienJahrzehntelang konnte der Westen auf dem gesamten Globus eine durch Hinterhältigkeit durchtriebene Schlangenpolitik verfolgen und dabei immer irgendwie als Gewinner hervorgehen. Seitdem Donald Trump Präsident des mächtigsten Landes der Welt ist, funktioniert das anscheinend nicht mehr so richtig.

Trump hat quasi aus heiterem Himmel und ohne wirklich erkennbaren Grund die heilige Stadt Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und damit Israel nicht wirklich einen Gefallen getan. Denn international wird diese Anerkennung kritisiert oder sogar verurteilt. Israel scheint auf internationaler Bühne sogar isoliert zu sein, da selbst die EU in dieser Frage gespalten ist.

Der Zeitpunkt war auch nicht gerade vorteilhaft für Israel. Die islamische Welt war bis zum Tag der Anerkennung nämlich tief gespalten und selbst ein großer Krieg zwischen Sunniten (Saudi Arabien) und Schiiten (Iran) wurde immer wahrscheinlicher.

Doch Trump hat mit dieser Entscheidung plötzlich den Fokus wieder ganz auf Israel gerichtet und vielleicht einen Prozess in Gang gesetzt, der die Gegner Israels stärken könnte. Selbst die mit Israel heimlich Verbündeten saudischen Herrscher müssen ein wenig bei der Empörung mitspielen, da man sonst den Zorn der eigenen Bevölkerung durch Aufstände provozieren könnte.

Halten wir einmal fest:

• Bevor Trump Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannt hat, war Jerusalem (auch der Osten der Stadt) komplett unter der Kontrolle Israels. Obwohl der wirkliche Status völkerrechtlich nie wirklich geklärt wurde, hat sich niemand wirklich darüber gestört, dass Israel über diese Stadt herrscht.

• Nachdem Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hat, fangen islamische Staaten an sich ernsthaft darüber Gedanken zu machen, wie man die „Besatzer“ wirtschaftlich bestrafen könnte. Die Türkei will gar einen Widerstandsblock formieren. In der EU wird die Anerkennung offen in Frage gestellt. Netanyahu wurde in der EU sogar abgeblitzt. Und der Iran hat Saudi Arabien überraschend Frieden angeboten.

Natürlich profitiert Trump innenpolitisch von dieser Entscheidung. Er gewinnt zunehmend die jüdische Wählerschaft für sich und kann gleichzeitig die mächtige Israel-Lobby ein wenig auf Distanz halten. Kritische Berichterstattungen in den zumeist von amerikanischen Juden beherrschten Medien könnten abnehmen.

Aber welchen Vorteil hat Israel selbst von dieser „mutigen Entscheidung“ von Trump? Bis jetzt erkennen wir keine Vorteile. Im Gegenteil. Die Nachteile überwiegen und wenn Saudi Arabien und Iran wirklich das Kriegsbeil begraben, wäre die Existenz des Staates Israel wirklich bedroht. Denn Israel fühlt sich nur sicher, wenn die islamische Welt zerstritten ist und die Staaten sich gegenseitig schwächen. Nur so kann Israel sicherstellen, dass es seinen Gegnern militärisch immer Haushoch überlegen ist.

Trumps Politik der klaren Entscheidungen sorgt außerdem dafür, dass der Westen nicht mehr einfach so tun kann, als wäre man ein Freund der Araber oder Palästinenser, aber gleichzeitig im verborgenen alles dafür tut, dass Israel bis auf die Zähne bewaffnet ist.

Trump will anscheinend, dass die USA sich aus dem Nahen Osten zurückziehen und auch nicht mehr als Vermittler zur Verfügung stehen. Das hat er bereits getan, indem er sich klar für Israel entscheiden hat. Wegen Trumps Vorstoß muss sich nun auch die EU entscheiden, für wen sie Partei ergreifen. Sind ihnen die Rüstungsaufträge der Araber wichtiger als das Existenzrecht Israels? Da die EU eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel abgelehnt hat, könnten die Israelis die EU als künftige Vermittler ablehnen. Russland scheint der einzig große Akteur zu sein, der zu beiden Seiten gute Verhältnisse pflegt.

Verfolgt Trump vielleicht eine geheime Agenda, indem er die USA aus dem Nahen Osten abziehen und Russland den Vortritt lassen will? Wenn ja, könnte diese Politik mittelfristig zum wahren Frieden im Nahen Osten führen. Denn wenn man in Israel merkt, nicht mehr die USA im Rücken zu haben, könnte man sich zum wirklichen Frieden mit den Arabern entschließen, der eventuell von den Russen garantiert werden könnte. Dass die Russen es können, zeigen sie gerade in Syrien.

Via Hinter den Kulissen

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