Selfies mit dem Diktator

Wer in diesen Tagen in der Millionenmetropole Damaskus und Hauptstadt Syriens einkaufen geht oder einfach nur einen Spaziergang unternimmt, könnte dabei eine kuriose Bekanntschaft machen.

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Der syrische „Diktator“ Bashar al-Assad hat sich in letzter Zeit ungewöhnlich oft unters Volk gemischt – fast schon so wie vor dem Krieg. Die Reaktionen aus der Bevölkerung sorgen im Westen für Verwirrung. Statt spontane Demonstrationen und Beschimpfungen gegen den „verhassten Führer“, sieht man in Damaskus ganz andere Bilder – die überhaupt nicht mit den Berichten der westlichen Medien zusammenpassen.

Der Präsident wird zum Entsetzen des Westens vielmehr wie ein Popstar gefeiert, die Jugendlichen rennen auf ihn zu und wollen Selfies machen oder mit ihm reden. Auch ältere Menschen drängeln und möchten sich persönlich bei dem Präsidenten dafür bedanken, dass er in der schwierigsten Phase des Landes und den ganzen Umständen trotzdem dafür sorgen konnte, dass in den großen Metropolen Stabilität und Ordnung herrscht. Assad spricht mit den Menschen, die er spontan trifft, relativ lange und hört sich auch die Probleme seiner Bürger an, die unter anderem auch wegen den westlichen Sanktionen existieren.

Auch die First Lady, Asma al-Assad und die drei Kinder der Assads ließen sich in den letzten Tagen oft in der Öffentlichkeit blicken. Zum Beispiel bei einem Überraschungsbesuch von Bashar al-Assad und seiner Familie in einem Restaurant von Damaskus, wo Kinder von Kriegsopfern zugegen waren. Das erscheinen der Assads sorgte für ein großes Staunen und darauffolgenden Jubel. Einige der Jugendlichen freundeten sich nach dem Essen sogar mit den Kindern von Assad an.

In den Gebieten in Syrien, wo Assad die Kontrolle hat, herrscht Religionsfreiheit. Christen und Muslime können ohne Probleme ihren Glauben nachgehen und sich kleiden wie sie möchten. Kirchen und Moscheen sind in den Assad-Gebieten gleichgestellt und für jeden offen. Es ist in Syrien auch üblich, dass Christen während der muslimischen Feiertage mit Muslimen feiern und umgekehrt. Diese friedliche Koexistenz der unterschiedlichen Ethnien und Religionen ist für Länder wie Saudi Arabien und Katar, die andere Religionsgruppen unterdrücken, gefährlich.

Warum werden diese Menschen in Syrien eigentlich vom Westen durch Sanktionen bestraft? Wie kann man diese Sanktionen gegen die syrische Bevölkerung unter diesen Gesichtspunkten noch begründen? Warum will der Westen nicht, dass die Bevölkerung selbst über ihre Regierung entscheidet? Warum sind die geopolitischen Interessen des Westens wichtiger als das Wohl der syrischen Bevölkerung?

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