Syrien: Der lang vorhergesagte Showdown ist bereits angelaufen

Wir können derzeit leider keine ausführlichen Analysen veröffentlichen, da sich zwei wichtige Fälle, auf die wir bislang warten und für unsere internen Recherchen benötigen, bis heute noch nicht ereignet haben.

 

Wir blicken dennoch kurz auf die Lage in Syrien – speziell Nordsyrien. Dort treffen aktuell alle wichtigen Konfliktparteien aufeinander und der lang vorhergesagte Showdown ist bereits angelaufen. Eine kurze und nicht detaillierte Übersicht der Konfliktparteien:

 

• Rot: Syrische Armee, libanesische Hisbollah, Iran und Russland

 

• Gelb: Kurdische YPG, SDF und USA

 

• Grün: Türkische Armee und Al-Kaida-Milizen (mit FSA-Flaggen)

 

• Schwarz: ISIS-Terrormiliz

 

Es hat im Moment aber keinen Sinn die Lage ausführlicher zu beschreiben. Denn mindestens ein großer Akteur ist derzeit am bluffen – also versucht Freund/Feind in die Irre zu führen.
Die Türkei möchte weiter in das Landesinnere von Syrien vorstoßen und unter anderem die Ölreiche Region bei al-Rakka erobern. Wie man aber auf der Karte sehen kann, ist nur noch ein kleiner Korridor offen, um in dieses Gebiet zu gelangen. Sollten die syrische Armee und die kurdische YPG diesen letzten schmalen Korridor demnächst schließen, müsste die türkischen Armee für ihr Vorhaben entweder syrisches Regierungsgebiet oder kurdisches Gebiet überqueren und damit entweder Verbündete von Russland oder der USA direkt angreifen – was zu einer sofortigen Eskalation der Lage führen würde. Oder die Türkei hat lediglich geblufft und hatte in Wirklichkeit nie vorgehabt weiter in das Landesinnere vorstoßen zu wollen – dann würde aber der ganze verlustreiche Einsatz in Nordsyrien keinen Sinn ergeben und in Zukunft wenig Nutzen bringen. Dennoch hätte die Türkei dann eines ihrer wichtigsten Ziele erreicht: Ein zusammenhängendes kurdisches Gebiet in Nordsyrien verhindern!

 

Aber wer hat hinter den Kulissen die besseren Verbindungen zu den Kurden in Nordsyrien? USA oder Russland?

 

Die USA unterstützen die Kurden ganz offen mit Waffen, haben sie jedoch bisher nicht bei Angriffen durch die Türkei beschützt. Und wie werden die USA reagieren, wenn die Türken es wirklich ernst meinen und die Kurden frontal angreifen werden – so wie sie es angekündigt haben?
Russland ist derzeit damit bemüht eine Konfrontation zwischen der syrischen Armee und den türkischen Truppen mit vorgezeichneten Linien zu vermeiden. Dank der russischen Initiative hat sich aber auch das Verhältnis zwischen Damaskus und den syrischen Kurden verbessert und es finden mittlerweile hoffnungsvolle Verhandlungen statt. Kurdische Kämpfer marschieren zur Zeit sogar auf Deir Ezzor im Osten des Landes zu. Die Stadt ist vom IS eingekesselt und wird seit Jahren von der syrischen Armee verteidigt – über 150.000 Zivilisten stecken in dieser Stadt fest und können nur aus der Luft versorgt werden.
Bei al-Bab stoppt die syrische Armee den Vormarsch der türkischen Armee auf al-Rakka und in Deir Ezzor eilen Kurden erstmals der syrischen Armee und Bevölkerung zur Hilfe. Für einen Laien vielleicht etwas schwierig zu erkennen, aber es sieht ein wenig danach aus, dass Russland, Syrien, die Kurden und vielleicht sogar die USA unter Trump hinter den Kulissen miteinander kooperieren und den IS ein für alle mal besiegen wollen. Wie es dann danach weiter geht ist eine andere Baustelle. Aber Russland hat sich für die Zukunft alle Türen offen gehalten, indem sie auch gute Verbindungen zur Türkei und den syrischen Kurden pflegen.
Die nächsten Tage und Wochen werden daher sehr spannend sein und es besteht erstmals auch eine reelle Chance auf einen echten Frieden in Syrien und der gesamten Region. Andererseits könnte jede falsche Entscheidung eines der Akteure eine sofortige Eskalation herbeiführen. Auch die Friedensverhandlungen in Genf sind etwas vielversprechender als in der Vergangenheit, weil vor allem die USA die Unterstützung für Terrorgruppen merklich zurückgefahren haben. Die Regierungen in Saudi Arabien, Katar, Türkei und Israel, die sich ganz offen gegen Syrien verschworen haben, stehen derzeit mächtig unter Druck, was wiederum zu unbedachten Reaktionen führen könnte.
Es existieren zwar keine konkreten Informationen über mögliche Gefahren, aber wir würden trotzdem bis zumindest Anfang Mai 2017 vor Reisen nach Russland, USA, Israel, Libanon, Türkei, Saudi Arabien, Katar und Iran abraten.
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