Geopolitisches Schachspiel geht in die entscheidende Runde

Wladimir-PutinDie Lage im Nahen Osten ist sehr angespannt. Überall finden kleinere Kriege statt. Überall fließt Blut und viele Menschen sind auf der Flucht. Europa wird einen andauernden Ansturm von Flüchtlingen nicht lange stand halten können. Und die eigentlichen Auseinandersetzungen haben noch gar nicht begonnen.


Über 5 Jahre lang haben vor allem die Regierungen der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Saudi Arabiens, Katars und der Türkei eine Kampagne finanziert, die den syrischen Staat und dessen Regierung destabilisieren sollte. Das führte dazu, dass Terrorgruppen wie ISIS und Al-Nusra Front teilweise plötzlich besser bewaffnet waren, als viele Armeen dieser Welt.

Ziel war es, die syrische Regierung zu stürzen und eine Marionettenregierung zu installieren. Anschließend sollten Öl- und Gaspiplines der Golfstaaten über dieses Territorium in die Türkei führen und von dort aus Europa versorgen. Assad hat sich jedoch als äußerst Widerstandsfähig erwiesen. Einige Verschwörer inszenierten sogar Giftgasangriffe gegen die Bevölkerung, die man Assad in die Schuhe schieben wollte. Russland hat einen möglichen NATO-Krieg gegen Syrien im Jahre 2013 in letzter Sekunde verhindert.

Im Jahre 2015 hatten die Verschwörer einen erneuten Versuch begonnen um den syrischen Staat zu zerschlagen. Die Türkei plante eine Flugverbotszone über Syrien, was nichts anderes bedeutet, dass die NATO die syrische Luftwaffe zerstört und den Terroristen am Boden einen Vorteil verschafft. Um diesen Plan zu verhindern musste Russland dieses Mal aufs Ganze gehen.

Putin hat mit dem Militäreinsatz in Syrien zwei Ziele verfolgt:

1. Eine Flugverbotszone der NATO verhindern und eine starke Luftabwehr als Abschreckung aufbauen.

2. Die syrischen Streitkräfte wieder Schlagkräftig machen und die alte Legitimität von Damaskus wiederherstellen.

Beide Ziele wurden erreicht. Die NATO oder andere Verschwörer müssen es sich jetzt zwei mal überlegen, bevor sie einen direkten Krieg gegen Syrien wagen. Die syrischen Streitkräfte sind wieder in der Lage Gebiete zurückzuerobern. Und immer mehr Staaten haben ihre Verbindungen zur Regierung in Damaskus wieder aufgenommen. Auch die neuen Friedensverhandlungen in Genf zeigen, dass man mit Damaskus wieder reden muss.

Um den Friedensverhandlungen eine Chance zu geben, hat Russland ein Teil seiner Streitkräfte aus Syrien abgezogen. Aber Moskau hat ein Teil seiner Streitkräfte auch deshalb zurückgezogen, weil man nicht komplett in diesen Krieg hineingezogen werden und dem Feind keine zu große Angriffsfläche bieten will. Die Verschwörer prophezeiten Putin davor noch einen Ausgang wie in Afghanistan. Dieser Wunsch der Kriegstreiber hat sich jedoch nicht bewahrheitet. Die Russen kamen in Syrien schnell und überraschend, haben intensiv für Fakten gesorgt und sich wieder in den Hintergrund zurückgezogen. Kampfjets und Kampfhelikopter führen jetzt gezielte Luftschläge, ohne großes Tamtam in den Medien.

Putin hat in diesen intensiven aber kurzen Krieg viel investiert und ist obendrein ein großes Risiko eingegangen. Aber er war am Ende auch erfolgreich. Dieser Erfolg wird gerade sozusagen eingetütet und dafür genutzt, um in der eigenen Bevölkerung zu punkten und der internationalen Gemeinschaft die Gelegenheit zu geben, die unsinnigen Sanktionen zu überdenken. Wenn Putins Plan aufgeht, werden die gegenseitigen Sanktionen bis zum Sommer diesen Jahres rückgängig gemacht.


Zwei Konfliktherde könnten bis zum Sommer jedoch die Situation verändern. Der Ukraine droht der Bankrott und der Westen könnte Kiew jetzt fallen lassen, um vor der Haustür der Russen für Chaos zu sorgen. Der Westen könnte die Wahrheit über MH-17 veröffentlichen und Kiew damit in Misskredit bringen. In diese Gemengelage hat sich auch die Türkei eingemischt. Ankara will die Ukraine stärker bewaffnen und im Gegenzug könnten die Türken auch noch islamistische Terrorbanden in der Ukraine aufbauen und gegen Russland losschicken. Der andere Konfliktherd ist weiterhin Syrien. Dort wollen die Türkei und Saudi Arabien noch einmal alles versuchen, um Assad zu stürzen und die Kurden aus dem Weg zu räumen.

Saudi Arabien pocht darauf, dass Washington dabei helfen soll, die Iran-Syrien-Hisbollah Achse zu zerstören. Die Saudis wissen, dass ein Iran ohne Sanktionen auf lange Sicht die führende Regionalmacht im Nahen Osten werden könnte. Das wollen die Saudis, solange sie dazu irgendwie noch in der Lage sind, um jeden Preis verhindern. Der Öl-Preis wird als Waffe gegen den Iran und Russland verwendet. Damit verschaffen sich die Saudis nur etwas Zeit – mehr auch nicht. Aber auch die USA leiden mittlerweile an den niedrigen Energiepreisen. Die Saudis versuchen Washington damit anscheinend zu erpressen.

Doch solange Obama noch Präsident ist, wird es einen US-Krieg gegen Syrien oder Iran nicht geben. Was Obama in seiner restlichen Amtszeit noch vorhat, ist nicht genau ersichtlich. Aktuell stärkt seine Politik den Iran und schwächt die Positionen Saudi Arabiens und Türkei.

Hinter den Kulissen muss wohl mehr passiert sein, als in der Öffentlich bekannt ist. Washington droht den Saudis sogar damit, ihre Mittäterschaft an den Anschläge vom 11. September 2001 zu veröffentlichen. Das heißt nichts anderes als Krieg gegen das saudische Königshaus. Die Saudis wiederum drohen für diesen Fall den US-Dollar anzugreifen. Alles ein sehr gewagtes Spiel was hier gespielt wird. Sollte Washington gegen Saudi Arabien auspacken, könnte vielleicht auch die Mittäterschaft der USA und eventuell auch Israels ans Tageslicht kommen. Oder jemand will das sogar?

Israel sucht immer mehr den Kontakt zu Moskau, was die westliche Elite endgültig spalten würde. Die Türkei versucht wegen dem Konflikt mit Russland und Iran einen neuen Verbündeten und Energielieferanten zu suchen. Erdogan hat in Israel jetzt schon mehrmals vergeblich angeklopft und sogar die Saudis um Mithilfe gebeten. Israel scheint die Türkei aber hinzuhalten und sich sogar einen Spaß daraus zu machen. Israel verlangte, dass Erdogan sich bei seinem Erzfeind, dem ägyptischen Präsidenten Al-Sisi, zu entschuldigen. Erdogan tat das vor einigen Tagen tatsächlich und lobte Al-Sisi als einen guten Präsidenten. Die Anhänger von Erdogan waren empört.

Alles sehr seltsame Dinge die in letzter Zeit passieren. Erdogan scheint von allen Akteuren am meisten unter Druck zu stehen. Er sucht jetzt auch den Kontakt zur laizistisch-kemalistischen Militärelite der Türkei. Die Gerichtsprozesse wurden überraschend abgebrochen und die Generäle freigesprochen. Die USA und Israel haben wiederum ihre Reisewarnungen für die Türkei abermals erhöht und warnen sogar vor Anschlägen in den Touristenzentren.

Was wir hier erleben ist möglicherweise ein versuchter Sturz des türkischen Präsidenten. Erdogan ist nicht nur einer der mächtigsten Männer der Welt, sondern auch ein Überlebenskünstler. Notfalls wird er einen neuen Krieg anzetteln, um einen Umsturzversuch zu stören.

Welche Rolle spielt dabei Putin?
Er hat damit begonnen den Iran mit modifizierten S-300 Luftabwehrraketen auszustatten.

Aber die ausgelieferten Teile sind bis jetzt unbrauchbare und lose Komponenten. Der Kontakt zwischen Tel Aviv und Moskau ist derzeit intensiv. Wird Russland die Auslieferung an den Iran stoppen, wenn Israel beim Sturz Erdogans mitwirkt? Wenn das geschieht, wäre Russland die neue Schutzmacht in der Region und Israel würde mit einem Friedensprozess mit Syrien beginnen. Dann könnten die syrischen, libanesischen und israelischen Energiereserven gemeinsam durch russische Unternehmen mit den Ressourcen in Zypern, Griechenland und Ägypten gebündelt werden. Der Iran wird ein wichtiges Verbindungsland zwischen Russland, Aserbaidschan, Pakistan und Indien werden. Diese neuen Handelswegen könnte den eurasischen Raum stabilisieren und zur neuen Blüte verhelfen.

Bei den genannten Szenarien wären die Golfstaaten und die Türkei die großen Verlierer, weswegen man davon ausgehen kann, dass in nächster Zeit noch was großes passieren wird, weil diese Akteure nichts unversucht lassen werden. Syrien spielt hierbei eine Schlüsselrolle. Solange die USA keinen neuen Präsidenten haben, wirkt diese Weltmacht wie gelähmt.

Dieses Zeitfenster werden einige zu nutzen versuchen. Die Saudis und Türken bewaffnen die Terroristen derzeit sogar mit tragbaren Luftabwehrraketen. Über die türkische Grenze sind wieder hunderte Söldner nach Syrien eingesickert. Und die Kurden haben immer noch keine Erlaubnis der USA, die Grenzübergänge von den ISIS-Terroristen zu erobern. Andererseits könnte Erdogan auch wieder den Kontakt zu Assad suchen. Erste Gespräche von Regierungsvertretern beider Länder haben bereits vor einigen Tagen in Algerien stattgefunden. Das geopolitische Schachspiel geht eindeutig in die entscheidende Runde.

Via Hinter den Kulissen

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