Nach dem Ende der Geschichte: Geopolitik, Migration und die Krise der Demokratie

„Wer Waffen sät, wird Flüchtlinge ernten“ ist nur ein Beispiel von vielen, mit denen auch linke Bewegungen die sog. „Flüchtlingskrise“ aufgreifen und mit ihren Anliegen verknüpfen. Tatsächlich fliehen gerade mehr Menschen als je zuvor vor Kriegen und bewaffneten Konflikten. Die Unterscheidung zwischen „Kriegsflüchtlingen“, anderen Ursachen und Formen der Migration sind jedoch unscharf und oft primär politisch bestimmt, wie zunächst anhand von Beispielen verdeutlicht werden soll. Im Folgenden wird dem Zusammenhang zwischen Geopolitik und Migration grundsätzlicher nachgegangen werden. Zum besseren Verständnis der Migrationsbewegungen weltweit soll deshalb eine Theorie aus den 1970er Jahren ins Gedächtnis gerufen werden, welche jenseits politisch-juristischer Definitionen und Unterscheidungen zwischen freiwilliger Migration, Flucht vor physischer und Flucht vor struktureller Gewalt die individuellen Migrationsentscheidungen erklären und mit der aktuellen Geopolitik nach dem „Ende der Geschichte“ auch deren Zunahme begründen kann.

Bürgerkrieg und Asyl in Deutschland…

Die aktuelle „Flüchtlingsdebatte“, die nun seit knapp einem Jahr die Nachrichten und wesentliche Teile des öffentlichen bzw. politischen Diskurses dominiert, „Überfremdungsängste“ provoziert und aus verschiedenen politischen Richtungen instrumentalisiert wird, gründet sich auf der wachsenden Zahl von Asylbewerber_innen, die in Deutschland ankommen. „Anlass zur Sorge“ sei, so Innenminister de Maizière bei der Vorstellung des Migrationsberichts 2015 im Januar 2016, dass im vergangenen Jahr mehr als eine Million Flüchtlinge in Deutschland angekommen seien – mehr als je zuvor.[1] Zugleich relativierte der Innenminister diese Zahl der Erstregistrierungen nach dem EASY-Verfahren, da es auch einzelne Menschen mehrfach erfasst haben könnte und viele, die bereits in ein anderes Land weitergezogen sind. Letztlich bildet diese Zahl….

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