USA, Türkei, Saudi-Arabien – Frieden durch Eskalation in Syrien?

Hinter den Kulissens Foto.

„Frieden“ und „Eskalation“, zwei Wörter, die widersprüchlicher nicht sein könnten, dennoch ist es die gegenwärtige Politik der Kriegstreiber, um Syrien laut ihren Aussagen vom Leid zu befreien.
So irritierend diese Frage sein mag, genauso gegensätzlich sind die Handlungen der westlichen Machthaber und die Realität in Syrien.

Betrachtet man den Syrien-Konflikt aus dem Blickwinkel der westlichen Hauptakteure, wird man von einer Sache gewiss nicht verschont: Gegensätze!

Während die USA seit ca. 1,5 Jahren Luftangriffe in Syrien durchführt, hat sich die IS merklich vergrößert, an Kraft sowie Land gewonnen.
Die große Flüchtlingswelle, die uns alle seit Monaten beschäftigt, begann genau innerhalb dieser Zeit, zumal das Ziel laut der westlichen Allianz die „Vernichtung“ der IS gewesen ist, damit die Menschen friedlich in ihrer Heimat leben können, doch das Gegenteil ist eingetreten.
Es ist demzufolge nicht schwierig die Rolle der USA in Syrien als schauspielerisch zu definieren. Denn unter ihrer Präsenz hat sich die IS sichtlich verstärkt.
Stattdessen lesen wir seit Monaten Nachrichten über Russland und dessen Aktivitäten in Syrien.
Es seien Zivilisten unter den Opfern der Luftangriffe, Menschen würden deswegen fliehen, Russlands Eingriff sei eine Gefahr für die Machtverhältnisse.
Nirgends werden die Massen jedoch informiert, dass seit Russlands legitime Teilnahme in Syrien, die IS schwere Schläge verkraften muss.
Eine Meldung aus einem amerikanischen Geheimdienstbericht informierte Anfang Februar, dass die IS in Syrien und im Irak ein Fünftel ihrer Kämpfer verloren hat, sodass sie immer mehr an Kraft einbüßen..
Große Teile in Nordsyrien – aktuell um Aleppo – wurden wieder durch die Hilfe der russischen Luftwaffe, mit Beteiligung der YPG unter Kontrolle gebracht. Die syrische Armee marschiert aktuell in großen Schritten. Und das in Syrien, wo sie das Recht besitzen, ihr Land zu beschützen.
Warum fühlen sich die Nachbarn um die Türkei/Saudi-Arabien und die westlichen Großmächte davon bedroht, wobei die Erfolge klar ersichtlich sind?
Ist es ein Zufall, dass vor allem die Türkei in letzter Zeit immer häufiger aufschreit und die IS gleichzeitig an Substanz verliert?
Es ist überall nichts normaler, als das die eigene Armee eines Landes wieder die Kontrolle über Gebiete hat, die von Terroristen aus über 80 Ländern der Welt geplündert wurden.
Während sich die USA und Frankreich augenscheinlich mit der Terrorbekämpfung Russlands abgefunden hat, hört man vor allem die Türkei lauter schreien.
Erst kam der Aufschrei, Turkmenen würden an der Grenze zur Türkei durch Russland bombardiert. Massen wurden über Medien mobilisiert, dagegen aufzurufen. Kurz darauf beschoss die Türkei im November einen russischen Jet des Typs Suchoi Su-24, woraufhin einer der Piloten von Rebellen getötet wurde.
Hier stellt sich die Frage, warum in Syrien Rebellen mit Waffengewalt Gebiete erobern und sich gegen den Staat auflehnen dürfen?
Der Terror hat kein Gesicht, keine Nationalität, keine Religion.
Dies gilt anscheinend nicht bei den türkischen Machthabern sowie dem saudischen Königshaus.

Im Vergleich:
Als 2014 Städte im Irak durch die IS überrannt wurden, waren die ersten Leidtragenden die Turkmenen im Irak.
Sie wurden jedoch ihrem Schicksal überlassen.
Jene Turkmenen waren größtenteils schiitisch; der Aufruhr der Länder blieb aus.
Hat der Terror je nach Interesse einiger Länder also doch ein Gesicht und Toleranz?

Aktuell kämpft die Türkei – welche am vehementesten Russland und Syrien beschuldigt, sich nicht korrekt im Kampf gegen den Terror in Syrien zu verhalten – im Osten erbittert gegen die PKK. In den Städten herrscht ein Ausnahmezustand, Menschen sind in Not.
Der Staat verteidigt sich, indem sie darauf hinweist, dass dies ein Kampf gegen den Terror und gegen aufständische Gruppierungen ist, die sich dem Staat durch Waffengewalt widersetzen.
Darf man also überall sein eigenes Land verteidigen, nur nicht in Syrien?

Weitere Gegensätze lassen sich in einem anderen „Dollarstaat“ des Nahen Ostens finden – Saudi-Arabien.
Das Land, welches offensichtlich nichts von Menschenrechten oder Demokratie wissen will, setzte sich vor zwei Wochen samt ihrer eigens ausgewählten Opposition in den Genfer Gesprächen an den Tisch. Ziel sei ein demokratisches Syrien, unter der Voraussetzung, dass Assad gehen müsse, andernfalls müsse man ihn stürzen.
Man wolle also Demokratie. Um diese zu Erreichen, nimmt man es gegebenfalls billigend in Kauf, den legitimen Präsidenten eines Landes antidemokratisch zu stürzen.
Doch Saudi-Arabien selbst lebt nur vom „D“ des Dollars, nicht von der Demokratie.
Während schon lange vor dem Krieg Syrien mit Assad säkular war und ist, hat Saudi-Arabien noch am Jahresanfang 47 Menschen hinrichten lassen. Unter ihnen der schiitische Geistliche und Kritiker des Königshauses Nimr al-Nimr.
Wie kann dieses Land also für Demokratie und Frieden in einem anderen Land stehen?
Seit Monaten bombardiert Saudi-Arabien Jemen.
In Bahrain wurden in der Vergangenheit Oppositionelle, die für Recht und Freiheit standen, blutig niedergestreckt, mithilfe der saudischen Streifkräfte.
Wie kann man die Rolle Saudi-Arabiens und der Türkei in Syrien unter diesen Gesichtspunkten ernst nehmen?
Länder, die sich am meisten gegen Assad auflehnen, richten in den eigenen und den Nachbarländern Chaos an.
Die USA und ihre Verbündeten solle man hier selbstverständlich nicht verschonen, denn unabhängig vom Ort, wo sie eingegriffen haben, wurde nichts anderes hinterlassen, als Schutt und Asche.

Runden wir nun diese Ungereimtheiten auf, indem wir uns die letzten Tage ansehen:
Es häufen sich die Aussagen Erodoğans sowie von Davutoğlu, dass man gegebenfalls aktiv in Syrien mitwirken wird, da die kurdischen Milizen der YPG- welche den Kampf gegen die IS seit Anfang der Krise erfolgreich führen – eine Gefahr für die Türkei seien.
Saudi-Arabien erklärte sich bereit, Truppen in Syrien einmarschieren zu lassen.
Hier zeigt sich das gleiche Szenario;
die türkischen und saudischen Kriegstreiber horchen erneut auf.
Wieder nachdem Russland sowie die syrische Armee mit ihren Verbündeten Erfolge feiern, syrisches Land zurückzugewinnen.
Diesmal nicht unter dem Deckmantel der Turkmenen, sondern auf die Gefahr hin, die Kurden würden langfristig eine starke Stellung an der türk. Grenze einnehmen.

Die Fakten sehen jedoch ganz anders aus:
Die syrische Armee hat mit der Hilfe Russlands die Nachschubwege der Terroristen zwischen Aleppo und der türkischen Grenze abgeschnitten.
Das gefällt den Kriegstreibern allem Anschein überhaupt nicht.

Hier stellt sich die abschließende Frage, ob die Türkei mit den Verbündeten überhaupt an einem Frieden interessiert ist?
Oder wollen sie einen Frieden, der nur ihre Interessen abdeckt?
Der wäre womöglich nur dann erreicht, wenn in Damaskus kein „Diktator“ sitzt, wie es uns im Westen immer vorgespielt wird, sondern eine Marionette des Westens, um sich die Geopolitik zum Vorteil zu machen.
Die wahren Diktatoren nämlich, verstecken sich unter dem Deckmantel der Demokratie, wie es Erdogan tut oder hinter dem Dollar, wie es das saudische Königshaus seit Jahrzehnten fabriziert.
Gemeinsam mit ihren Freunden aus den USA und Europa hat man sich verschätzt, denn Syrien wird immer mehr zum Symbol des Widerstands gegen die Geopolitik und dem Öl-Wahn des Westens!

Was uns also die USA, Türkei, Saudi-Arabien und ihre Verbündeten unter ihrem vermeintlichen Wunsch nach Frieden lehren?
Frieden kann es nicht für Einzelne geben, wenn es nicht für die Allgemeinheit gilt!

Deeskalation wäre der erste Schritt!

Hinter den Kulissens Foto.

Quelle: Ein Leserbrief von Taskin Ciddi

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