„Machtmensch Putin“ – wie die ZDF-Doku offenbar manipuliert wurde

mustreadKurz vor Weihnachten strahlte das ZDF die Dokumentation „Machtmensch Putin“ aus. Der Zuschauer bekam ein düsteres Werk über blutige Machenschaften des russischen Präsidenten geboten: martialische Musik, reißerisches Intro und ein totenkopfartiges Porträt Putins im Hintergrund. Schon fünf Tage später erhob das russische Staatsfernsehen schwere Vorwürfe: Bei der Dokumentation soll es zu schwerwiegenden Manipulationen gekommen sein. Die Geschichte des jungen Russen, den das ZDF als Kronzeugen für den Einsatz russischer Soldaten in der Ostukraine präsentiert, soll eine reine Erfindung sein.

Igor wird der Mann in der Putin-Dokumentation genannt. In Wirklichkeit heißt er jedoch Jurij Labyskin. Er hehauptet, 50.000 Rubel von dem Producer Walerij Bobkow, der Teile der Putin-Dokumentation für das ZDF gedreht hat, bekommen zu haben. Dafür, dass er vor der Kamera einen Separatisten mimt und über seinen Einsatz im Donbass berichtet. Doch das Problem ist: Der 27-Jährige soll nie in der Ostukraine an der Seite der Separatisten gekämpft haben. Seine Aussagen in dem ZDF-Interview sollen ihm von Bobkow diktiert worden sein, behauptete er im russischen Fernsehen.

Das ZDF bestreitet die Vorwürfe vehement. „Das ZDF hat für die Dokumentation ‚Machtmensch Putin‘ keine Dreharbeiten manipuliert und eine solche Manipulation auch nicht in Auftrag gegeben. Das Drehmaterial wurde in einem mehrstufigen Verfahren redaktionell überprüft, bevor es zur Ausstrahlung gelangt ist“, teilte Robert Bachem, Leiter des Programmbereichs „ZDFinfo, Gesellschaft und Leben“ dem stern auf Anfrage mit. Er vermutet, dass Labyskin vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB massiv unter Druck gesetzt und unter Strafandrohung gezwungen worden ist, die Fälschungsvorwürfe gegen das ZDF zu erheben.

Allerdings sprechen immer mehr Indizien dafür, dass die Fälschungsvorwürfe stimmen. Zwei Journalisten begaben sich für das Medienmagazin „Journalist“ des deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) auf Spurensuche. Moritz Gathmann und Maxim Kireev, die bereits viele Jahre aus und über Russland berichten, trafen Labyskin in Kaliningrad, sprachen mit zahlreichen Freunden und Bekannten des 27-Jährigen und machten sogar seine angebliche Frau ausfindig, die dem….

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